ASTROMIND

Sylvia Grotsch Diplom-Psychologin
Praxis & Schule für Astrologie in Berlin Tel.: +49 (30) 873 10 98 - www.astromind.de

Wozu Blockaden manchmal gut sein können

Fotoquelle: blickpixel / pixabay.com

von Sylvia Grotsch (Kommentare: 4)

Bei mir in der Praxis sitzt Cornelia. Wir kennen uns seit mehreren Jahren, diesmal ist sie zu einem Coaching zu mir gekommen. Sichtlich verärgert sagt sie: „Ich möchte einfach mal wissen, was da für eine Blockade in mir ist, dass ich das einfach nicht mache!“

Cornelia arbeitet seit mehr als fünfzehn Jahren in einem Konzern. Sie macht ihre Arbeit sehr gern, interessiert sich aber auch brennend für das Thema Gesundheit und Ernährung. Also fasste sie vor ungefähr fünf Jahren den Entschluss, sich eines Tages als Heilpraktikerin selbstständig zu machen.

Jetzt, wo sie alle Ausbildungen fertig hat, könnte sie loslegen. Tut es aber nicht. Irgendwas, meinte sie, muss es wohl in ihr geben, was erst “aufgelöst“ werden muss, damit sie endlich loslegen kann.

Muss ich erst ein inneres Muster knacken?

Wir alle kennen das. Wir haben uns etwas vorgenommen, kommen aber nicht in die Pötte und wissen nicht, warum. Cornelia überlegt laut, ob es da in ihr vielleicht irgendwelche Ängste gibt, die ihr noch im Weg stehen. Ängste oder Hemmungen, die sie erst bearbeiten muss, um endlich als Heilpraktikerin anfangen zu können. Oder vielleicht sind es irgendwelche einengenden Denkmuster, die ihr verbieten, zu handeln?

Verständlich, wenn man sich in einer solchen Situation Unterstützung von außen holt. Denn erstens ist es ärgerlich, wenn uns etwas zu hindern scheint, zweitens ist das Auflösen von Blockaden in den letzten Jahren in Mode gekommen. Überall gibt es Angebote von Coaches, die versprechen, dass man durch die Arbeit an unbewussten Denkmustern und Glaubenssätzen seinem Leben die gewünschte Richtung geben kann.

Natürlich können uns Denkmuster und Glaubenssätze am Handeln hindern. Viele von uns erzählen sich allerlei dummes Zeug, wenn eine Veränderung im Leben ansteht („das kann doch nur daneben gehen“, „Heilpraktiker gibt es wie Sand am Meer“, „ich bin noch nicht gut genug“, „wieso soll die Welt ausgerechnet auf mich warten?“). Allerdings, so ruckizucki, wie sich das manche mit einer „Auflösung“ vorstellen, läuft das selten. Viele bearbeiten zwar in einem Coaching ihre inneren Überzeugungen - ändern hinterher aber immer noch nichts.

Da überlegt man dann, ob man vielleicht nicht tief genug gegraben hat und ob man vielleicht noch weitere Sitzungen braucht. Dabei wird leicht übersehen, dass es vielleicht noch ganz andere Gründe haben kann, wenn etwas einfach nicht voran gehen will.

Anhalten. Durchatmen. Nachdenken

Vermeintliche „Blockaden“ sind oftmals wichtige Haltesignale, die wir nicht einfach auf die Seite schieben sollten. Wir überfahren auf der Straße ja auch kein Stoppschild, in der Hoffnung, dass wir dadurch schneller vorankommen. Klüger und zielführender ist, sich die scheinbare Blockade etwas näher anzuschauen - sie ausräumen kann man dann immer noch, wenn es angezeigt ist.

Da Cornelia schon öfters zur astrologischen Beratung bei mir war, nehme ich für das Coaching ihr Horoskop mit dazu. Mich interessiert dabei in erster Linie ihre ganz persönliche Zeitqualität, ob zum Beispiel in ihrem Horoskop eine tiefgreifende berufliche Veränderung anzeigt ist oder doch eher etwas anderes.

Ein Blick auf ihre Daten und ich ahne, weshalb Cornelia nicht tut, was sie sich vor fünf Jahren vorgenommen hat. Da ich ihr aber nicht mit meiner Deutung vorgreifen will, halte ich meine Gedanken erst noch zurück.

Eine entscheidende Frage und drei gute Gründe

Erst mal lasse ich mir von Cornelia genau erzählen, was sie so ärgert und frage sie dann: „Was könnte eigentlich das Gute daran sein, dass du im Augenblick keinen Finger für den Aufbau einer Praxis rührst?“

Ich sehe an ihrem Gesicht, dass sie mit dieser Frage nicht gerechnet hat Lächelnd . Das Gute daran, wie das denn? Sie ist von sich und ihrem Verhalten genervt und kann daran nichts Gutes erkennen.

„Na ja“, sage ich, „ich phantasier jetzt einfach mal so rum … so eine Praxisgründung bringt ja auch eine Menge Stress mit sich … so was kostet viel Zeit ... du brauchst eine Marketingstrategie ... du brauchst eine Website ... du brauchst Räume ... nur mal so, als Beispiel“. Und in dem Augenblick ploppt ein Vorteil nach dem anderen aus ihr heraus:

  • Cornelia hat eine jahrelange Dreifachbelastung hinter sich. Sie hat nicht nur eine Vollzeitstelle und ein Kind in der Pubertät, sie machte auch mehrere Ausbildungen nebenher. Wenn sie ganz ehrlich ist, wie sie mir sagt, wäre ihr am liebsten, jetzt erst mal beruflich noch nichts Neues anzufangen. Ihr sei das im Augenblick einfach alles zu viel.
  • Als Cornelia vor fünf Jahren die Idee hatte, Heilpraktikerin zu werden, war sie Feuer und Flamme. Sie möchte die Ausbildungszeit auch nicht missen, aber nach fünf Jahren Erfahrung mit dem Thema Gesundheit und Heilung ist sie ist sich nicht mehr sicher, ob sie es wirklich täglich mit kranken und problembehafteten Menschen zu tun haben möchte.
  • Durch Zufall ist Cornelia vor ein paar Monaten in den Malkurs einer professionellen Künstlerin geraten und hat mit dem Malen eine alte Leidenschaft wieder ausgegraben. Sie erzählt mir, dass das Malen in ihrem Elternhaus als Kinderkram belächelt wurde, so dass sie es als Erwachsene - obwohl sie sichtbar begabt war - nicht weiter verfolgt hatte. In dem Kurs entdeckte sie ihre alte Liebe wieder und empfand dabei eine tiefe Freude, wie sie sie in den letzten Jahren nicht mehr erlebt hat.

„Also", frage ich beharrlich, „und das Gute daran?“ Cornelia steigen die Tränen in die Augen: „Ich will einfach endlich wieder mehr Zeit für mich haben und mir nicht so ein fettes Projekt wie einen Praxisaufbau ans Bein binden. Vielleicht später – aber nicht jetzt. Ich will erst mal schauen, wie sich das mit dem Malen weiterentwickelt. Das Malen ist es, was mir gerade ganz viel Spaß macht. Die Praxis fühlt sich wie ein schwerer Sack an“.

Was die Astrologie beisteuern kann

Im Coaching unterstütze ich Menschen, ihre eigenen Lösungen zu finden. Erst dann steuere ich das bei, was ich im Horoskop sehe. Eine Festanstellung zu kündigen und eine Praxis aufzubauen, das braucht – jedenfalls nach astrologischer Lesart – die entsprechende „Zeitqualität“. Im Horoskop müssen klare Anzeichen zu sehen sein, dass ein derart einschneidender beruflicher Umbruch überhaupt ansteht.

Nichts davon kann ich in Cornelias Horoskop entdecken. Jedenfalls nicht zu dem Zeitpunkt, als wir miteinander arbeiten.

Ihre sogenannte „Blockade“, die sie an einem Berufswechsel hinderte, war also nichts anderes, als der Ausdruck ihrer inneren Bedürfnisse, die sich gegen ihre Pläne sträubten. Es gab keinerlei Aktivierung von Berufsfaktoren in ihrem Horoskop, dafür näherte sich der transitierende Uranus ihrer Venus im 5. Horoskopfeld - Zeit mit einem künstlerischen Hobby zu beginnen und mehr Spaß ins eigene Leben zu bringen!

Bewerbungen, die nichts bringen

Ein wenig anders war die Situation bei Roger. Roger hatte überraschend seinen Job verloren und sofort zig Bewerbungen rausgeschickt. Sein Problem war, dass keine Resonanz darauf kam.

Sein Anliegen an unsere Sitzung war, wieder mehr Motivation für weitere Bewerbungen zu bekommen. Verständlicherweise hatte ihm die mangelnde Rückmeldung die Laune verdorben und es beunruhigte ihn, dass er seit über drei Wochen keine Bewerbung mehr rausgeschickt hatte. Schließlich brauchte er schnellstmöglich einen neuen Job.

Bei meiner Frage, was das Gute daran ist, dass bislang keine Firma Interesse signalisiert hatte, lächelt er etwas verlegen: „Ich hab schon immer im falschen Job gesessen, vom ersten Tag an. Jetzt hab ich mich wie ein Bekloppter nach dem Gießkannenprinzip überall beworben, wo ich vielleicht hinpassen könnte. Aber wenn ich ehrlich bin, will ich erst mal noch mehr Zeit haben, damit ich endlich mal rausfinde, was ich wirklich will. Käme jetzt eine Zusage, säße ich wieder in der alten Falle.“

"Und jetzt soll ich dich unterstützen, wieder mehr vom Falschen zu tun?", frage ich Roger. Roger lacht.

Die Lösung sah dann doch anders aus: Auch in Rogers Horoskop war zu sehen, dass die Zeitqualität nicht dafür sprach, gleich die nächste Arbeitsstelle anzutreten. Der Saturn transitierte durch sein 12. Horoskopfeld. Das spricht für die Auflösung eines alten Lebensstils, ohne dasss man gleich neue Ziele für sich sehen kann.

Wenn Saturn das 12. Haus transitiert, ist es angzeigt, sich eine Asuzeit zu gönnen, um dann mit etwas Neuem an den Start zu gehen, wenn Saturn ins 1. Haus wechselt (wie diese Auszeit genau aussieht, ist von Person zu Person unterschiedlich). Für Roger wäre es tatsächlich besser, für einige Monate zu pausieren, um sich mehr über seine beruflichen Wünsche klar zu werden - etwas, was er sich die Jahre zuvor nie wirklich zugestanden hatte.

Blockaden sind manchmal gute Umleitungen :-)

Es ist natürlich nicht leicht auszuhalten, wenn Dinge, die wir uns in den Kopf gesetzt haben, nicht funktionieren! Aber Blockaden – seien es innere, wie bei Cornelia oder äußere, wie bei Roger – haben oft eine wichtige Botschaft für uns. Wenn wir sie verstehen und danach handeln, steuern wir unser Schiffchen letztendlich in eine für uns förderlichere Richtung, statt in einen falschen Hafen einzulaufen.

Was aus den beiden geworden ist? Cornelia hat den Wunsch, eine Heilpraktiker-Praxis zu eröffnen, erst mal ganz zur Seite geschoben. Durch ihre jahrelange gute Beziehung zu ihrem Arbeitgeber ist es ihr gelungen, eine andere Stelle im Konzern mit weniger Stunden zu bekommen, und ihr Sohn ist jetzt öfter beim Vater. Endlich hat sie mehr Zeit für sich, die sie oft einfach mit "Nichtsstun" füllt, wie sie mir bei einem nachträglichen Telefonat erzählte. Daneben geht sie zweimal in der Woche zum Malen - und ist richtig glücklich damit, weil sie rasante Fortschritte macht.

Roger gehört zu den Menschen, die mit sehr wenig Geld auskommen. Dadurch hat er sich mächtig Rücklagen aufbauen können, von denen er jetzt noch eine Weile leben kann. Trotzdem jobbt er zur Zeit in einem Café, um einen regelmäßigen Tagesablauf zu haben. Daneben geht er regelmäßig zum Coaching, um für sich klar zu kriegen, was er beruflich wirklich will.

Dieser Artikel wurde am 01.03.2015 von Sylvia Grotsch veröffentlicht und befindet sich in den Kategorien:

Sylvia Grotsch. Ich bin Diplom-Psychologin, Astrologin und Coach. Seit 1984 unterstütze ich Menschen mit astrologischen Beratungen und Kursen bei der Entdeckung ihres Potenzials für ein erfülltes und erfolgreiches Leben. Hier finden Sie ausführliche Informationen zu meinen astrologischen Beratungen.

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Kommentare

Kommentar von Koubenec Heide-Maria |

dieser Artikel ist mal wieder eine wunderbare Inspiration für mich. Herrlich wie anschaulich und klar Du unsere inneren Prozesse analysierst, habe mich genau darin wieder gefunden und wertvolle Anregungen für mich erhalten. Bei mir klemmt es auch gerade und jetzt habe ich etwas mehr loslassen können nachdem ich das hier gelesen habe. Herzlichen Dank! Wie gerne lese ich immer Deinen Newsletter!
Weiter so! Liebe Grüße
Heide-Maria

Antwort von Sylvia Grotsch

Hallo Heide-Maria,

danke für deine Rückmeldung! Und ich freu mich, wenn dir der Artikel einen "Schupps" (wie schreibt man den eigentlich?!) hat geben können.

Liebe Grüße

Sylvia

Kommentar von Regina Schindler |

auch ich sitze seit längerem wie der berühmte Ochs vor dem Berg der einfach nicht weggehn will.... werde nun versuchen mich auf den Kopf zu stellen um das ganze von der anderen Warte aus zu betrachten.
VIELEN DANK DAFÜR
Herzliche Grüße regina

Antwort von Sylvia Grotsch

Hallo Regina,

ja ein Perspektivenwechsel oder auch nur einmal Abstand vom "Problem" nehmen, kann neue Lösungen zutage fördern. Mir ist das gestern wieder mal passiert. Ich mache was Bestimmtes nicht, obwohl die Idee eigentlich (eigentlich!) gut ist. Also hab ichs erst mal akzeptiert. Bis ich schließlich dahinter kann, dass ich die Idee noch mehr mir selber anpassen muss.

Alles Gute!

Sylvia Grotsch

Kommentar von Ulrike Bergmann, Die Mutmacherin |

Liebe Sylvia Grotsch,

vielen Dank für diesen Beitrag, der wunderbar veranschaulicht, wie wichtig es ist, den vermeintlichen Blockaden ihre Botschaft zu entlocken. Sehr gut gefallen hat mir der Satz "Blockaden sind manchmal gute Umleitungen". Genauso erlebe ich es auch bei meinen Teilnehmenden und Klienten: Oft zeigt sich in der "Innenschau" (Ihren Fragen nach dem Guten in der Handlungshemmnis), was gerade ansteht und sich mit keinem Antreiber der Welt aus dem Weg räumen lässt.
Herzliche Grüße nach Berlin
Ulrike Bergmann

Antwort von Sylvia Grotsch

Liebe Frau Bergmann,

danke für Ihren Besuch hier auf meinem Blog!

Sie sind ja als Coach täglich damit konfrontiert, dass Menschen - aus welchen Gründen auch immer - ihre Pläne nicht so konsequent verfolgen, wie sie sich das "eigentlich" vorgenommen haben. Wenn Menschen die Botschaft dahinter dann verstanden haben (ob es nun ein Muster ist, das sie zurückhält und das aufgelöst werden muss oder ob es eben doch ganz was anderes ist), ist immer wie eine Befreiung. Der heutige Tenor "Der Mensch muss Ziele" haben, lässt manche vergessen, dass sie vielleicht grad gar keines brauchen, dass sie ein altes fallen lassen dürfen - und sich den Raum schaffen dürfen für das, was sich stattdessen zeigt. 

Liebe Grüße an den Chiemsee!

Sylvia Grotsch

Kommentar von Angelika Dau |

so kann es auch kommen......ich sollte am 03.03.2015 ein Gespräch mit meinen Chef haben. Es stand an, ob ich noch einmal eine Verlängerung in meinem Job bekäme. Ich war schon etwas am Zittern......denn ich bin inzwischen 65 Jahre. Montag Abend schwirrten mir plötzlich ganz eigenartige Gedanken durch meinen Kopf. Leider war überhaupt keine Zeit mehr, in mein Horoskop zu sehen. Dienstag kam, mein Termin beim Chef wurde etwas verschoben, meine Teamleiterin kam mir zum wiederholten Male dumm und da bin ich meiner Intuition gefolgt und habe meinen Job zum 31.03.2015 beendet. Ich gehe jetzt ab dem 1. April in den hoffentlich verdienten Unruhestand!!!! ( kein Aprilscherz ). Bin selber über mich und meine plötzliche Entscheidung überrascht, aber mein immer geringerer Energielevel und meine zunehmende Unlust an dem Job haben mich handeln lassen. Und oh siehe da, es geht mir gut mit dieser Entscheidung :)Jetzt bin ich aber mal gespannt, was jetzt noch so alles auf mich zukommen wird :) Auf jeden Fall werde ich dieses Jahr meinen zauberhaften Garten mal so richtig genießen :) :) :)

Antwort von Sylvia Grotsch

Angelika, dem ist nichts hinzuzufügen Lächelnd.

Liebe Grüße

Sylvia

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