ASTROMIND

Sylvia Grotsch Diplom-Psychologin
Praxis & Schule für Astrologie in Berlin Tel.: +49 (30) 873 10 98 - www.astromind.de

Warum ich nicht in Rente gehe

Fotoquelle: pixabay.com

von Sylvia Grotsch (Kommentare: 2)

Meine Klientin hat schon einen Arm im Mantel, als sie mich plötzlich noch mal fragend anschaut. Ich merke, da ist noch was, sie zögert aber.

Ich schaue Sie freundlich an und ziehe ermunternd die Augenbrauen hoch, da sagt sie: „Ich hoffe, Sie arbeiten noch sehr lange“. „Warum sollte ich nicht?“ „Ich hab mich grade gefragt, wie alt Sie sind und ob Sie nicht vielleicht bald in Rente gehen“.

Ich bin so alt, wie ich aussehe

*Seufz*, früher wurde ich grundsätzlich zehn Jahre jünger geschätzt, aber plötzlich, ab Mitte Fünfzig war Schluss damit, und die meisten Menschen schätzen mein Alter jetzt ganz richtig ein (mit ein paar kleinen Abweichungen nach unten).

Heute ist es nicht mehr schwer, mein Alter richtig zu schätzen - meine Haare sind schlohweiß (eine Freundin sagt gnädigerweise immer „silberweiß“ dazu), und ich zeige nicht die geringste Tendenz, daran etwas zu ändern. Ganz ehrlich: Gefärbte Haare lassen mich alt aussehen. Wenn ich schon nicht mehr wie früher jünger aussehe (ha ... ha... jetzt wissen Sie auch, dass ich eitel bin), dann muss ich mich ja auch nicht mit Gewalt älter machen.

Rente bekommen bedeutet keinen Schnitt für mich

Aber zurück zur Rente. Ich finde netterweise jeden Monat einen kleinen Betrag auf meinem Konto vor, den ich als Schmerzensgeld für meine fremdbestimmte Zeit als Lehrerin und Dozentin im staatlichen Schuldienst betrachte. Da ich da zehn Jahre drin steckte, stehen mir also tatsächlich ein paar kleine Rentenbezüge zu. Ein nettes, monatliches Zubrot :-).

Dennoch war in „Rente gehen“ nie ein Thema für mich. Als ich die Astrologie für mich entdeckte, schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: „Das werd´ ich machen, bis ich den Löffel abgebe“. Was man halt so denkt, wenn man jung und begeistert ist :-).

Heute sehe ich das natürlich etwas differenzierter. Trotzdem war das ein durchaus kluger Gedanke, denn Astrologie ist eine Pflanze mit vielen Wurzeln. Je tiefer man gräbt, desto mehr tauchen davon auf. Das heißt nicht, dass Astrologie schwer oder kompliziert zu lernen wäre, sie hat einfach nur sehr viele Facetten, mit denen man sich befassen kann. Wahrscheinlich reicht ein Leben dazu nicht aus.

Womit mein Tag gefüllt ist

Aber wie sieht es mit dem „Arbeiten“ aus? Ich kenn´ den blöden Satz, dass der, der tut, was er liebt, keinen Tag mehr arbeiten muss. Natürlich arbeite ich. Ich habe mir nur das Privileg geschaffen, etwas zu tun, was mich interessiert, was mir Freude macht und wo ich bei jedem Gespräch dazulerne.

Neben meinen täglichen Beratungen gibt es ganz viel Verwaltungsarbeit, die bei Selbstständigen oft unterschätzt wird. Dann will der Blog gefüllt werden, meine Facebook-Fans sollen neue Infos bekommen und ich plane gerade, Astrologie-Wissen auf Videos zu packen.

Mein Tag ist also voll, mindestens acht Stunden am Tag gehen für meinen Beruf weg. Glücklicherweise kann ich selber entscheiden, wann ich anfange und wann ich aufhöre. Und so sitze ich morgens oft entspannt in der Sonne und arbeite dafür am Abend.

Wie geht es weiter?

Ja, manchmal mache ich mir auch Gedanken, wie ich in Zukunft arbeiten möchte. Von daher ist die Frage meiner Klientin durchaus berechtigt.

„In Rente“ werde ich wohl nicht gehen (außer ich werde durch Umstände, über die ich keine Kontrolle habe, dazu gezwungen), denn warum sollte ich etwas sein lassen, was ich liebe? Allerdings werde ich mit der Zeit und peu à peu Veränderungen einführen. Ich möchte Raum fürs Schreiben und fürs Video-Drehen haben, und ich spüre zunehmend die Lust danach, Zeit einfach nur für mich zu haben. Je älter ich werde, desto wertvoller wird mir das reine Leben :-).

Von daher meine Antwort an meine Klientin (und an alle, die es vielleicht noch werden wollen): Ja, ich bin für Sie da! Aber bedenken Sie bitte, dass ich keine Dreißig mehr bin (auch wenn ich mich grad so fühle). Ich mache bereits heute schon keine fünf Beratungen mehr am Tag (so wie früher), und nehme mir wenigstens dreimal eine längere Pause im Jahr. Dadurch entstehen zwangsläufig Wartezeiten für diejenigen, die eine Beratung möchten.

Aber mir ist meine Arbeit und auch mein Leben viel zu kostbar, als dass ich bereit wäre, mich zu überfordern. Nur so kann ich - wenns das Leben so will - vielleicht noch ganz viele Jahre als Astrologin arbeiten. In welcher Form auch immer.

Dieser Artikel wurde am 03.04.2016 von Sylvia Grotsch veröffentlicht und befindet sich in den Kategorien:

Sylvia Grotsch. Ich bin Diplom-Psychologin, Astrologin und Coach. Seit 1984 unterstütze ich Menschen mit astrologischen Beratungen und Kursen bei der Entdeckung ihres Potenzials für ein erfülltes und erfolgreiches Leben. Hier finden Sie ausführliche Informationen zu meinen astrologischen Beratungen.

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Kommentare

Kommentar von Barbara Steldinger |

Liebe Sylvia,

dein heutiger Artikel spricht mir aus der Seele. Das Thema beschäftigt mich, seit Anfang des Jahres eine ehemalige Schulfreundin mich anrief und wir nett plauderten. Wir hatten uns etliche Jahre nicht gehört und gesehen und so berührte mich ihr Satz irgendwie seltsam "Du, der Jürgen hat ja jetzt viel Zeit als Rentner und ich muss auch nur noch 3 Jahre durchhalten, dann kann ich auch in Rente gehen.". Jürgen ein Rentner? Sie bald Rentnerin? Wir sind gleichaltrig! Ganz seltsame Vorstellung.

Immer mehr gleichaltrige Freunde erzählen mir etwas von bald "in Rente gehen". Das ist mir noch so fern, so ganz und gar unpassend für mich. Ja, ich sehe jünger aus, ok.
Aber die Hauptsache ist, dass ich als Selbständige erstens keine besonders lukrative Rente bekommen werden, zweitens keine riesigen Rücklagen habe und drittens meine Arbeit weitermachen möchte. Ich habe das Gefühl, doch jetzt erst so richtig angekommen zu sein und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Und wenn ich fit und gesund bleibe, gibt es keinen Grund damit aufzuhören.

Und die erwähnten Veränderungen, die du ansprichst, liebe Sylvia, die mache ich auch. Also mehr Pausen, genauer darauf achten, mich nicht zu übernehmen, gut ernähren usw. Das, finde ich, hat etwas von Weisheit des Alters.

Vielleicht ist es auch einfach anders, wenn man das macht, was man mit Herz und Seele gerne macht, selbstbestimmt. Angestellte erleben, wenn sie dann in Rente sind, dann endlich auch das Gefühl von Selbstbestimmtheit über ihr Leben, ihre Zeit. Könnte ich mir so erklären. Was meinst du dazu?
sonnige Grüße
Barbara

Antwort von Sylvia Grotsch

Hallo, liebe Barbara,

eigentlich ist es eine "Katastrophe", dass bei vielen Menschen die Selbstbestimmtheit erst nach der Rente losgeht. Natürlich ist das nicht bei allen so, denn man kann natürlich auch als Angestellte/r in einem Beruf sein, der einen ausfüllt.

Leider erlebe ich immer wieder, dass viele junge Menschen von den Eltern gedrängt werden, "was Vernünftiges" zu lernen. Nichts gegen Vernunft, aber man muss sich mal bewusst machen, wie lange wir in einem Beruf zubringen! Ich erinnere mich noch, als meine Mutter - die meinen Wunsch, erst Psychologin und dann Astrologin zu werden durchaus nachvollziehen konnte - zu mir sagte: "Aber das kann du dann doch nach deiner Pensionierung noch machen."

Das war damals die Denke - an der sich bis heute noch nicht allzu viel geändert hat. Hauptsache Sicherheit - wie es dem Menschen dabei geht, das wird zu wenig beachtet. Aber es sind keineswegs immer nur die Eltern, die diese Einstellung haben, ganz viele junge Menschen treffen ihre Berufswahl unter diesem Gesichtspunkt.

Auf der anderen Seite sehe ich das auch gelassen. Ich hatte mich ja damals auch für Sicherheit entschieden (niemand hat mich in meinen Lehrerberuf "reingeprügelt", ich hab das selber so entschieden) - das Leben hat mir dann die rote Karte gezeigt, die ich glücklicherweise verstanden hatte.

Zu tun, was man liebt und das bis zu einem Zeitpunkt, wo man es selber will (und auch kann), das hat für mich etwas mit "Lebensqualität" zu tun. Außerdem merke ich, dass sich meine Arbeit, wie bei dir ja auch, mit den Jahren nur verbessert hat. Wissen hat kein Verfallsdatum. Schön wäre es, wenn so etwas in der Schule vermittelt würde. Und auch, dass ein einmal eingeschlagener Weg nicht auf Dauer beibehalten werden muss.

Liebe Grüße und ganz viel Freude, Schwung und Gesundheit für dich, damit du lange deine wohltuende Arbeit ausüben kannst :-)

Sylvia

Kommentar von Zamyat M. Klein |

Hach, das ist doch auch genau mein Thema! Schön, dass es so viele Gleichgesinnte gibt. Offiziell wäre ich ja nun auch in Rente, bekomme ebenfalls ein nettes Zubrot monatlich überwiesen, dass so als Zusatz prima ist, aber alleine zum (guten) Leben nicht reichen würde.
Daher habe ich auch nie ernsthaft darüber nachgedacht, wie und wann ich "in Rente gehe".

Und ebenso wie ihr dennoch immer mehr geschaut: Was will ich wirklich? Welche Arbeit erfüllt mich besonders? Womit will ich meine kostbare Zeit vor allem verbringen? Und mich immer weniger nach Konventionen, Erwartungen und vermeintlichen Zwängen richten.

So ändert sich ständig in meinem Leben wieder etwas, ich beginne neue Projekte, kündige andere, die nicht mehr stimmen. Mit der Erfahrung: Wenn ich etwas beende, was so nicht mehr stimmt, kommt etwas besseres Neues. Es gehört immer wieder Mut dazu, aber ich habe es aktuell gerade wieder gemacht. (Und am nächsten Tag kam ein neuer Auftrag- das finde ich immer wieder irre!!)

Da ich das Thema so wichtig finde, habe ich sogar dazu ein eigenes Seminar in der Türkei entwickelt: Kreative Lebensplanung mit Ü50/ Ü60.

Auch vor dem Hintergrund, das immer mehr Menschen in meiner Umgebung (und zum Teil deutlich jünger) sehr schlimm erkranken oder sogar sterben, führt das immer zum gleichen Gedanken: Meine Zeit so gut und sinnvoll zu nutzen, wie es nur irgend geht.

Und ab einem gewissen Alter sieht und weiß man deutlicher, was man kann, mag und wie man leben möchte- und pfeift etwas entspannter auf die Erwartungen anderer.
In diesem Sinne: auf ein glückliches erfülltes Altern!

Antwort von Sylvia Grotsch

Hallo Zamyat,

herzlich willkommen hier! Ja, Selbstständigkeit ist schon ein "aufregendes" Leben, mit ganz eigenen Erfahrungen, die man in einem Festangestellten-Verhältnis so nicht machen kann.

Ich werde immer wieder "bewundert", was ich alles in meinem "Alter" so mache. Ich finde das selber völlig natürlich, sich weiter zu entwickeln, sich neue Projekte einfallen zu lassen - sicher in einem anderen Arbeitstempo als mit Mitte Dreißig. 

Seltsamerweise: Je älter ich werde, desto weniger Ängste habe ich. Vielleicht weil Frau einfach schon viel "hinter" sich hat? Oder weil sich all die Sorgen (wir Deutschen sind ja krankhafte sich-Sorgen-Macher) nie eingetreten sind? Oder weil ich weiß, dass es für alles eine Lösung gibt? Die buchstäbliche Gelassenheit des Alters hat schon was :-).

Das Seminar von dir finde ich super - und ja, das ist das einzige Wichtige: Sein Leben mit dem zu gestalten, was einem Freude macht.

Herzliche Grüße in die Türkei!

Sylvia

 

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