ASTROMIND

Sylvia Grotsch Diplom-Psychologin
Praxis & Schule für Astrologie in Berlin Tel.: +49 (30) 873 10 98 - www.astromind.de

Warum es manchmal besser ist, nicht zu bekommen, was wir uns wünschen

Fotoquelle: pixabay.com

von Sylvia Grotsch (Kommentare: 5)

Vor gut zehn Jahren bin ich in West-Deutschland, in der Praxis einer Heilpraktikerin, mit der ich befreundet bin. Ich freue mich, dass einige Patientinnen meiner Freundin eine Beratung bei mir wollen, so kann ich meinen jährlichen Besuch gleich auch noch mit Arbeit verknüpfen.

Es ist der dritte Tag, zur Tür herein kommt meine letzte Klientin. Ich habe ihr Horoskop vorbereitet und bin gespannt auf den Menschen, der dazugehört. Denn ihr Horoskop ist ungewöhnlich: Neben starken psychologischen und spirituellen Interessen zeigt es eine durchsetzungsstarke und warmherzige Frau mit Führungsqualitäten. Eine Frau, die gerne reist, Talent hat, Gruppen zu führen, Menschen in Veränderungsprozessen zu begleiten und größere Mengen an Zuhörern zu begeistern.

Zur Tür herein kommt eine sehr attraktive Frau. Braune Locken bis auf die Schultern, braune Augen und ein intensiver Blick, mit dem sie mich geradeheraus anschaut. Dazu eine wunderbar runde „Venus-Figur“, die von ihr sicher auf Pumps durch den Raum getragen wird. Angezogen ist sie mit einem anthrazitgrauen, auf Figur geschnittenem Businesskostüm, unterm Arm eine Aktentasche.

Ich möchte eine Beziehung und ein Kind!

Die Beratung gestaltet sich dann schwieriger, als ich erwartet hatte. Denn meine Klientin ist aus einem bestimmten Grund gekommen: Sie arbeitet im Außendienst ihrer Firma, schafft, wie sie sagt, Umsätze, die sonst nur Männer machen - und will aussteigen. Sie hat Jahre hart gearbeitet und ihr ist klar, dass ihre Firma von ihr jährlich steigende Gewinne erwartet. Dem will sie sich nicht mehr aussetzen.

Stattdessen möchte sie aufhören und eine Familie gründen. Ein Wunsch, den sie bis Mitte Dreißig nicht hatte, der sich aber jetzt aufgrund ihrer tickenden biologischen Uhr immer hartnäckiger meldet.

Nein, den dazu passenden Partner hat sie noch nicht, aber meine Klientin ist optimistisch: Bei mehreren Millionen von Männern müsste es sich ja einrichten lassen, einen zu finden, der zu ihr passt und der Lust hat, mit ihr eine Familie zu gründen.

Da sitze ich also nun mit meiner Vorbereitung, atme tief durch und erläutere meiner Klientin - wie bei jeder Beratung - Schritt für Schritt den Inhalt Ihres Horoskops. Das wäre weiters kein Problem, wenn nur das Horoskop nicht so sehr mit dem Wunsch meiner Klientin kollidieren würde.

Eine enttäuschende Beratung?

Bei jeder Horoskopanalyse geht es in erster Linie um die Schwerpunkte des Betreffenden, das individuelle Strickmuster, mit dem jemand auf die Welt gekommen ist. Bei dieser Klientin sind Familiengründung und Kinder keine Schwerpunkte. Ihre Schwerpunkte sind Menschenführung, Menschen in ihrer Entwicklung begleiten, Seminare geben, Vorträge halten, Trainings geben (weltweit), ja auch Bücher schreiben ist zu sehen.

Nun heißt das natürlich nicht, dass man, wenn im Horoskop Kinder und Familie kein Schwerpunkt sind, keine Kinder bekommt! Aber die Überprüfung aller Konstellationen, die eine Schwangerschaft anzeigen könnten, zeigt, dass da unter astrologischen Gesichtspunkten in absehbarer Zeit nichts ansteht.

Meine Klientin ist höflich. Ich merke, dass sie mir aufmerksam und interessiert zuhört, ich merke aber auch, dass sie sich von mir auch etwas anders gewünscht hätte.

Das Einzige, was zum Augenblick der Beratung mit meiner Analyse übereinstimmt ist, dass sie in ihrer Firma sehr unabhängig und selbstständig arbeitet. Außerdem hat sie eine Berührung zum Seminarbetrieb, weil sie in ihrer Freizeit für eine Trainerin aus den USA Seminare hier in Deutschland organisiert. Aber selber so etwas machen? Selber Seminare geben? Nicht im Traum würde sie daran denken wollen! Meine Klientin wünscht sich Familie.

Nach einer Stunde verabschiedet sie sich. Wir hatten ein anregendes Gespräch miteinander, über das, was sich meine Klientin wünscht - und über das, was ich stattdessen in ihrem Horoskop sehe. Ich bin selber nicht gerade froh mit dem Verlauf der Beratung - aber was soll ich machen? Meine Aufgabe ist, Menschen ihr Horoskop zu übersetzen und nicht, ihnen zu sagen, was sie vielleicht hören möchten.

Beim Abendessen sage ich zu meiner Freundin: „Ich weiß nicht, Frau F. hab´ ich leider nicht glücklich machen können“. Meine Freundin guckt mich nur an und murmelt mit vollem Mund „Woher willst du das denn so genau wissen?“ (eine wahrlich salomonische Antwort, wie sich ein paar Jahre später herausstellt).

Fünf Jahre später

Viele Jahre höre ich nichts von meiner Klientin. Was mich ehrlich gestanden auch nicht wundert. Aber eines Tages ist sie am Telefon. Fragt fröhlich: „Erinnern Sie sich noch an mich?“ Ich erkenne ihre Stimme sofort wieder und bin gespannt, was sie zu mir führt. Will sie mir sagen, dass sie doch, entgegen unseres Gesprächs, ein Kind bekommen hat?

Weit gefehlt. Sie ist in der Zwischenzeit aus der Firma ausgestiegen und hat in Vollzeit die Seminarorganisation der Trainerin aus den USA übernommen. Weiterhin hat sie sich in unterschiedlichen Coaching-Techniken ausbilden lassen und wird als Trainerin von einer Organisation weltweit für Verkaufstrainings eingesetzt. Daneben coacht sie Privatleute, ist Dozentin in einer Coaching-Akademie und macht unterschiedlichste eigene Seminare – und ist, wie sie sagt, rundum zufrieden mit ihrem Leben.

Und ihr Kinderwunsch? Der hat sich verwandelt in ein „Kinderprojekt“. Meine Klientin hat ein großes Talent zum Netzwerken und bringt verschiedene Anbieter zusammen, die ein Programm für die Talentförderung von Kindern entwickeln. Ansonsten ist sie, wie sie sagt, so viel mit ihren neuen Projekten beschäftigt, dass da kein Raum für ein Kind gewesen wäre.

Das Leben weiß es oft besser

Nicht immer ist also das, was wir uns vorstellen, auch das, was uns entspricht. Das kennen Sie vielleicht auch, denn manchmal klappt etwas nicht, was wir uns sehr gewünscht haben. Oder andere stellen uns vor eine Entscheidung, die uns zu einer Änderung unserer Pläne zwingt.

Gerade unsere persönlichen Anlagen und "Sternstunden" sind uns häufig nicht so präsent in unserem Bewusstsein, um überhaupt in unsere Wünsche und Ziele einzufließen. Genau wie diese Klientin ihre wahren Begabungen und ihr volles Potenzial seinerzeit - als sie das erste Mal bei mir war - noch nicht genau auf dem Schirm hatte.

Übrigens: Heute lebt meine Klientin in einer glücklichen Partnerschaft und sagte neulich zu mir: „Das Leben, das ich mir damals gewünscht habe, als wir uns das erste Mal gesprochen haben, könnte ich mir heute für mich gar nicht mehr vorstellen".

Dieser Artikel wurde am 22.08.2016 von Sylvia Grotsch veröffentlicht und befindet sich in den Kategorien:

Sylvia Grotsch. Ich bin Diplom-Psychologin, Astrologin und Coach. Seit 1984 unterstütze ich Menschen mit astrologischen Beratungen und Kursen bei der Entdeckung ihres Potenzials für ein erfülltes und erfolgreiches Leben. Hier finden Sie ausführliche Informationen zu meinen astrologischen Beratungen.

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Kommentare

Kommentar von Claudia |

Oh wie schön! Du bist wieder da, liebe Sylvia:)
Lieben Gruss
Claudia

Antwort von Sylvia Grotsch

Jupp :-) - und schon ist sie vorbei, die Pause!

Herzliche Grüße

Sylvia

Kommentar von Sophie Kampmann |

Liebe Sylvia,

vielen Dank für diesen intressanten Beitrag. Ich kann mich damit absolut wiederfinden. Deine Beiträge und Deine Website haben mich so begeistert, dass ich mich jetzt zu einer Ausbildung hier in München entschlossen habe.

Liebe Grüße und ein sonniges Wochenende
Sophie

Antwort von Sylvia Grotsch

Aaaaaaaaaaaaah, ich hab grad Gänsehaut. Je mehr ich Leute dazu "anspitzen" kann, sich mehr mit der Astrologie zu befassen, desto sinnvoller empfinde ich das, was ich tue.

Danke für die Rückmeldung, ganz herzliche Grüße und viel Spaß mit der Astrologie! Irgendwann gibt´s auch Videos von mir ..... da sehen wir uns dann vielleicht wieder!

Sylvia Grotsch

Kommentar von Simone |

Wie immer ein sehr schöner und lesenswerter Artikel - danke!

Antwort von Sylvia Grotsch

Gerne - und danke für Ihre Rückmeldung!

Herzliche Grüße

Sylvia Grotsch

Kommentar von Julia |

Liebe Sylvia, prima danke für diesen Beitrag! Immer spannend Deine Newsletter. Solche Beratungen sind für den Berater echt haarig. Sag - woraus sieht man denn Seminare leiten im Horoskop? Das würde mich ja mal brennend interessieren... :-) Liebe Grüße!! Julia

Antwort von Sylvia Grotsch

Oh, Julia, das ist ein "weites Feld". Das MC muss was mit "Informationen weitergeben" zu tun haben. Aber pass auf, das kann auf sehr sehr unterschiedliche Weise geschehen! Das MC und ALLE damit verbundenen Faktoren sollten auf "Wissensweitergabe" abzielen. Da muss man keinen MC in Zwillinge haben, da geht auch ein Merkur in Verbindung zum MC oder der Herrscher von drei macht eine Verbindung zum MC oder .... oder .... oder ...

Die besprochene Dame hat das MC in der Waage, die dazugehörige Venus in 11 (= Kontakte mit Gruppen), die wiederum eine Opposition zu Jupiter in 5 (= Lehrerkonstellation) macht. Du siehst, es gibt da viele Varianten.

Hilft´s dir weiter?

Liebe Grüße

Sylvia

 

Kommentar von peter bandasch |

Liebe Frau Grosch,
Ihr Artikel erinnert mich an einen alten Wunsch von mir, ein Horoskop von mir machen zu lassen. Was kostet das, wie lange dauert es und welche Daten benötigen Sie dazu?
Herzliche Grüße,
Peter Bandasch

Antwort von Sylvia Grotsch

Hallo Herr Bandasch,

schön, dass Sie mein Artikel an einen alten Wunsch erinnert. Ich schicke Ihnen eine Mail mit weiteren Informationen.

Herzlich

Sylvia Grotsch

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