ASTROMIND

Sylvia Grotsch Diplom-Psychologin
Praxis & Schule für Astrologie in Berlin Tel.: +49 (30) 873 10 98 - www.astromind.de

Warum das Sternzeichen nicht reicht

Fotoquelle: wilhei / pixabay.com

von Sylvia Grotsch (Kommentare: 1)

Am 23. April flattert mir eine Anfrage in mein Mailpostfach. Ein Internet-Promi-Magazin mit drei Millionen Lesern (so stand es in der Mail), wollte mit mir ein Interview machen. Man wolle zu mir ins Büro kommen und die benötigte Zeit wurde auf anderthalb Stunden veranschlagt.

Die Klatschpresse schaut nach England

Es ging um das zweite royale Baby in England, das zu dem Zeitpunkt mit großer Spannung erwartet wurde. Von mir wollte man wissen, wie das Sternzeichen des Neugeborenen zum Sternzeichen von Mama, Papa, Bruder, Oma und Opa passen würde. Mit wem würde sich das neue Kind gut verstehen, mit wem würde es Reibereien geben?

Dafür brauche ich kein neunzigminütiges Interview. Das ist mit einer halben Minute beantwortet: Dass das Zusammenpassen oder Nicht-Zusammenpassen von Menschen aufgrund ihres Sternzeichens zu erklären wäre, ist ein Mythos.

Widder passt nicht zu Skorpion? Der wiederum nicht zum Löwen? Und Löwe hat Stress mit Jungfrauen? Bei solchen Aussagen wundert man sich nicht, dass die Astrologie einen schlechten Ruf hat.

Wie kam es zur "Sternzeichen-Astrologie"?

In den Anfängen der Astrologie wurde ein persönliches Horoskop nur für Herrscher und für Kirchenoberhäupter gemacht. Also für all diejenigen, die die Macht (und das Geld) hatten und sich einen Astrologen leisten konnten. Die Ausarbeitung eines solchen persönlichen Horoskops dauerte früher Stunden, weil man nicht die Hilfsmittel zur Verfügung hatte, so wie wir sie heute kennen.

Die Zuordnung der einzelnen Tage zum Tierkreis am Himmel hingegen ist feststehend und wiederholt sich von Jahr zu Jahr, muss also nicht berechnet werden. So steht die Sonne - von der Erde aus betrachtet – am 23. April immer im Tierkreisabschnitt Stier, am 26. Mai in Zwillinge … und so weiter. Jeder Tag des Jahres lässt sich damit einem Sternzeichen zuordnen.

Die Sternzeichen waren von Anbeginn also etwas, was „jeder“ in Erfahrung bringen konnte, weil damit keine Rechenarbeit verbunden war. Hatte man den Geburtstag, hatte man auch das jeweilige Sternzeichen. Und damit wurden Menschen mit Eigenschaften belegt, die dem jeweiligen Sternzeichen zugeordnet wurden. Was ein fetter Fehler ist, der sich bis heute durchzieht!

Wer sein Sternzeichen oder das Sternzeichen eines anderen kennt, hat aber nicht mal einen Bruchteil des Wissens, das in einem persönlichen Horoskop verborgen ist.

Es geht nicht um Charaktereigenschaften

Wie überhaupt die professionelle Astrologie es nicht mit „Charaktereigenschaften“ zu tun hat. Im Grunde interessiert keinen Astrologen, ob ein Mensch „liebevoll“, „aggressiv“, „ehrgeizig“ oder „rechthaberisch“ ist. Solche Eigenschaften hat jede/r von uns - je nach Situation.

Was Astrologen wirklich interessiert ist, welche Begabungen jemand hat, welche Interessen, welche Schwerpunkte, wo die Stolpersteine liegen und wie man die bewältigen kann. Uns (und auch unsere Kunden) interessiert, auf welchem Weg ein Mensch sein Glück findet - und worauf er besser keine Energie verschwenden sollte. Das aber lässt sich nun mal nicht aus dem Sternzeichen erkennen, sondern nur aus einem komplett erstellten Horoskop, das auf Geburtsdatum, Uhrzeit und Ort basiert. erkennen.

Für die, die ganz neu auf dem Gebiet sind, hier nur mal zum Anschauen ein Horoskop. Es ist das Horoskop von Prinz Georg, dem ersten Kind von Kate und William. Er wurde am 22. Juli 2013 um 16:24 Uhr in London geboren.

Der Pfeil weist auf die Sonne (Kreis mit Punkt in der Mitte) im Krebs hin. Landläufig sagt man dann, dass Prinz Georg "vom Sternzeichen Krebs ist".

An der Grafik ist aber unschwer zu erkennen, dass das Sternzeichen nur ein kleiner Teil des gesamten Horoskops ist. Zusätzlich haben wir neun weitere Planeten, zwölf Häuser (das sind die Abschnitte, in denen die Zahlen 1-12 stehen), die wichtigen Punkte AC = Aszendent und MC = Medium Coeli und die farbigen Striche („Aspekte“ genannt).

Das Sternzeichen muss dann in der Horoskop-Interpretation immer zu all diesen Faktoren gesetzt werden, was letztendlich dazu führt, dass kein Krebsgeborener so ist oder so lebt wie ein anderer.

Und wie passt das Neugeborene zu seinen Eltern?

Wenn man was über die Übereinstimmung zwischen zwei Menschen wissen will, muss man die kompletten Horoskope der betreffenden Personen neben- und übereinanderlegen. Dann erkennt man, wo sich Neigungen und Interessen ergänzen oder sich aneinander reiben (was nicht unbedingt etwas Negatives sein muss). In der Astrologie heißt das „Horoskopvergleich“.

Das hieße aber sechs Horoskope zu erstellen: für das neugeborene Kind, seine Eltern, seinen Bruder und die Großeltern. Das allerdings wäre für ein kostenloses Interview heftig viel Arbeit für mich – zum anderen glaube ich, dass so viele Worte, wie man zu einem solchen astrologischen Vergleich machen kann, die Medien gar nicht hören wollen :-). Die möchten nur „Stier passt zu … und passt nicht zu …“ hören. Weil das schneller zu schreiben ist – und leichter verdaulich für den Leser.

Weswegen ich mich dann auch mit einer Mail bedankt und das Interview freundlich abgelehnt habe.

Dieser Artikel wurde am 04.05.2015 von Sylvia Grotsch veröffentlicht und befindet sich in den Kategorien:

Sylvia Grotsch. Ich bin Diplom-Psychologin, Astrologin und Coach. Seit 1984 unterstütze ich Menschen mit astrologischen Beratungen und Kursen bei der Entdeckung ihres Potenzials für ein erfülltes und erfolgreiches Leben. Hier finden Sie ausführliche Informationen zu meinen astrologischen Beratungen.

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Kommentare

Kommentar von Heidrun Funk |

Hallo, Frau Grotsch,
endlich gibt es eine Astrologin, die ein solch dummes Interview ablehnte! Viele, die sich in der Astrologen-Szene einen Namen gemacht haben, tappen in diese Sternzeichen-Falle und geben denen Futter, die die Astrologie sowieso verächtlich in die Esoterik-Schublade stecken (siehe Facebook und Illustrierte!). Eigentlich wollte ich mich beim DAV engagieren, um für die seriöse Astrologie zu werben, doch haben die Strukturen nicht meinen Erwartungen entsprochen.

Halten Sie auch Seminare für fertige Astrologen? Meine Ausbildung zur psychologischen Astrologin dauerte vier Jahre, nun sitze ich an meiner Abschluss-Arbeit und habe ein Praktikum mit 20 Beratungen hinter mir. Doch möchte ich gerne am Ball bleiben und mich immer wieder vervollständigen.
Allerdings wäre ich auch sehr an einem Treffen mit Astrologen interessiert, die gemeinsam Themen ausarbeiten.
Über eine Antwort freue ich mich,
beste Grüße
Heidrun Funk

Antwort von Sylvia Grotsch

Liebe Frau Funk,

ja, „in die Falle tappen“, das haben Sie ganz richtig ausgedrückt (wobei ich als ganz junge Astrologin, vor dreißig Jahren, eben genau das getan habe). Es wird ja kein gutes Haar an der Astrologie von den „Main-Stream-Medien“ gelassen, aber wenn sie was brauchen, dann sind sie ganz schnell da. Mich hat man versucht, damit zu gewinnen, dass man mir sagte, dass drei Millionen Leser meinen Namen sehen würden.

Ich war vor dreißig Jahren auch im DAV – genau ein halbes Jahr. Ich habe mich auch in den Strukturen nicht wohl gefühlt. Es mag sich heute manches geändert haben, aber ich habe kein Bedürfnis nach einem Verein – dafür habe ich nicht meinen Beamtenstatus gekündigt, um mich dann doch wieder irgendwelchen Statuten unterzuordnen.

Ich mache sehr gerne Fortgeschrittenen-Kurse, auch wenn ich die – zugegebenermaßen – aufgrund Umbau-Arbeiten bei mir (Blog etc.) in letzter Zeit nicht gegeben habe. Aber ich denke für Herbst wieder Seminaer an. Sie erhalten über den Newsletter rechtzeitig Bescheid, und ich würde mich freuen, Sie dort einmal zu treffen.

Einen schönen Sonntag und

herzliche Grüße

Sylvia Grotsch

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