ASTROMIND

Sylvia Grotsch Diplom-Psychologin
Praxis & Schule für Astrologie in Berlin Tel.: +49 (30) 873 10 98 - www.astromind.de

Steinbockzeit. Raum für das Wesentliche

Fotoquelle: music4life / pixabay.com

von Sylvia Grotsch

In der Schützezeit hing noch das eine oder andere übrig gebliebene bunte Blatt am Baum. Damit ist jetzt Schluss. Die Bäume ragen bar jeden Schmucks in den Himmel, der an sonnigen Tagen von einer wunderbaren, fast schmerzlichen Klarheit ist.

Unsere Vorfahren litten in dieser Jahreszeit unter eisiger Kälte. Die Vorräte neigten sich dem Ende zu. Nur Selbstdisziplin, Selbstbeschränkung und ihre Fähigkeit, sich dem Mangel anzupassen, ließ sie diese Zeit überstehen.

Kein Wunder also, dass Winteranfang mit dem Steinbock (21.12 bis 19.1.) gleichgesetzt wird, dem Tier, das von Nahrung nahezu unabhängig ist. Im Volksmund heißt der Steinbock daher auch "der König des einfachen Lebens“.

Überfluss kann belasten

Wie anders ist es zur Steinbockzeit hier bei uns und in vielen anderen Teilen Europas! Wir drehen die Heizung auf und an den Feiertagen wissen wir manchmal nicht, in welche Ecke unseres Magens wir all die Köstlichkeiten vor unserer Nase noch schieben sollen. Auch Weihnachtsgeschenke zu machen - eigentlich doch etwas sehr Schönes! - erzeugt bei vielen Stress. Denn was schenken, wenn viele von uns bereits alles haben?

Genießen wir es, dass wir in diesen Zeiten leben. Aber seien wir uns auch darüber bewusst, dass dieser Überfluss uns oftmals auch belastet. Nämlich immer dann, wenn er sich breiter und breiter macht und es uns Zeit (und Geld) kostet, ihn zu händeln.

Steinbock-Qualitäten zu besitzen (und ich spreche hier von einer Haltung, die wir alle entwickeln können, sie gilt nicht nur für die Steinböcke unter uns) ist die Fähigkeit, sein Leben mit „wenig“ leben zu können.

Es geht nicht um Askese

Dass dieses Bedürfnis stärker wird, zeigen die "Simplify-your-Life"-Bücher von Werner Tiki Küstenmacher, die vor Jahren schon der Renner waren. Gefolgt von einer immer größer werdenden Blogger-Gemeinde, die noch einen Schritt weiter geht und sich das Thema "Minimalismus" auf die Fahne geschrieben hat. Dabei bedeutet Minimalismus nicht zwangsläufig Verzicht auf Dinge, die das Leben leicht machen (wie für mich zum Beispiel eine Heizung, ein Kühlschrank, eine Waschmaschine, um nur einiges zu nennen). Minimalismus ist das Bewusstsein darüber, was ich ge-brauche und was mir nutzt – und der Verzicht auf alles, was keinen Zweck erfüllt.

Minimalismus heißt übriges nicht, „so wenig Dinge wie möglich“ zu haben. Denn was heißt „so wenig wie möglich?“ Drei Dinge, fünf, zehn oder doch hundert? Drei Lippenstifte sind bereits zuviel für mich, aber nur fünf Bücher? Machen wir den Begriff also nicht an einer Zahl fest.

Ein aufschlussreiches Experiment

Wie aber kann man sich seinem persönlichen Minimalismus nähern? Man kann natürlich mal ausmisten und sich bei jedem Gegenstand fragen: „Brauche ich dich wirklich?“ Dabei habe ich mich aber schon ertappt, dass ich mir das eine oder andere Ding mit einem „brauch ich sicher noch“ schöngeredet habe.

Also bin ich anders vorgegangen: Ich habe als Erstes den Inhalt eines Rollcontainers, der unter meiner Schreibtischplatte steht, auf die Schreibtischplatte gekippt. Danach alle Dinge halbwegs nach Zugehörigkeit zusammengeschoben. Also alle Stifte zusammen, genauso wie Bürohandwerkszeug (Locher, Hefter, Taschenrechner) und Kleinvieh wie Radierer, Klebestifte, Klebestreifen. Das kann jeder so machen, wie es für ihn/sie passt, es geht nicht um richtig oder falsch.

Jede Gruppe kam dann in einen kleinen Karton oder eine Plastikdose. Alles, was sich nicht einer Gruppe zuordnen ließ, wanderte in einen gemeinsamen „Krabbelkasten“.

Alle Behältnisse wurden grob beschriftet oder mit einem Zettel beklebt, damit ich schnell finde, was ich brauche. Danach verschwanden sie in einem größeren Karton, den ich in der Küche deponierte. Das Experiment lief drei Wochen. Alles, was ich benutzte, holte ich mir aus der Küche und legte es anschließend in den Rollcontainer. Immer, wenn ich was brauchte, schaute ich erst, ob es bereits wieder im Container lag.

Was dabei rauskam

Ergebnis: 50% aller Dinge in den Kartons habe ich nicht benutzt! Was allerdings nicht dazu führte, gleich alles davon zu entsorgen. Da gab es zum Beispiel eine tolle Etikettiermaschine. Die hatte ich zwar in den drei Wochen nicht in der Hand, wusste aber, dass ich sie hie und da brauche. Außerdem hatte ich Unmengen an farbigen Finelinern. Ich verwendete aber in den drei Wochen immer nur drei davon, jeweils in drei verschiedenen Farben. Also wurde der Rest als Reserve deklariert und wanderte an einen dafür neu bestimmten Platz.

Alles andere kam weg. Wie zu erwarten, habe ich nichts davon bis heute vermisst.

… übertragbar auf andere Bereiche

Die Entrümpelung eines Rollcontainers ist noch relativ harmlos. Sehr viel erkenntnisreicher könnte das gleiche Verfahren mit dem Kleiderschrank oder der Kosmetikabteilung im Bad ausfallen!

Dabei verlangen natürlich verschiedene Bereiche verschiedene Vorgehensweisen. Das meiste von dem, was ich drei Wochen nicht aus den Rollcontainer-Kartons herausgeholt hatte, brauche ich nicht wirklich. Anders könnte es sich aber zum Beispiel mit Kleidung verhalten. Hier ist es besser, sich eine ganze Saison zu geben. Hosen, Röcke, Blusen (oder was Sie so in Ihrem Schrank haben) wandern in getrennte Behältnisse. Am Ende einer Saison hängt oder liegt dann das, was man anhatte, gut sichtbar im Schrank. Das kann ein schockierender (oder auch sehr erheiternder) Anblick sein Lächelnd.

Was Sie gewinnen!

Wenn Sie der Gedanke anspricht, dann machen Sie vielleicht einfach mit irgendeiner Ecke Ihrer Wohnung auch so ein Experiment?

Minimalismus ist natürlich nichts für jeden. Ob man sich dazu hingezogen fühlt, hängt von den eigenen Bedürfnissen und der aktuellen Lebenssituation ab. Minimalismus ist auch meist nicht von heute auf Morgen herzustellen. Aber ich spreche mit immer mehr Menschen, die zumindest davon träumen, weniger um sich herum zu haben. Die, die es bereits umsetzen, werden oft bewundert oder respektiert mit einem: "Toll ... könnt ich nicht ...". Als „Spinner“ gilt kaum einer von ihnen.

Vielleicht, weil wir spüren, dass sie Recht haben? Nicht, weil „ordentlich sein“ einen Wert an sich hat. Mehr Ordnung ist ein angenehmer Nebeneffekt von Minimalismus. Sondern weil das viele Zeug uns davon abhält, unsere Träume und Visionen zu leben und das zu tun, was wirklich wesentlich ist für uns.

Minimalismus (oder doch wenigstens weniger zu haben) gibt uns mehr von dem, was die Steinbock-Qualität verkörpert: Klarheit, Einfachheit, Zielorientiertheit. Mehr Kontrolle über das eigene Leben und mehr Konzentration auf das, was wir wirklich sein wollen.

Dieser Artikel wurde am 19.12.2013 von Sylvia Grotsch veröffentlicht und befindet sich in den Kategorien:

Sylvia Grotsch. Ich bin Diplom-Psychologin, Astrologin und Coach. Seit 1984 unterstütze ich Menschen mit astrologischen Beratungen und Kursen bei der Entdeckung ihres Potenzials für ein erfülltes und erfolgreiches Leben. Hier finden Sie ausführliche Informationen zu meinen astrologischen Beratungen.

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