ASTROMIND

Sylvia Grotsch Diplom-Psychologin
Praxis & Schule für Astrologie in Berlin Tel.: +49 (30) 873 10 98 - www.astromind.de

Rückläufige Planeten im Horoskop? Was sie wirklich bedeuten!

Fotoquelle: pixabay.com

von Sylvia Grotsch (Kommentare: 1)

Mir sträuben sich ja immer noch die Haare, wenn ich mitbekomme, was da draußen manchmal so über Astrologie erzählt wird. Neulich war in einem Café nicht zu überhören, was die Besucher am Nachbartisch über die Tierkreiszeichen dachten. Dass die Skorpione hinterhältig seien, die Stiere geizig und die Jungfrauen pingelig (nein, ich habe mich nicht zu Wort gemeldet).

Schlimmer wird´s dann, wenn Menschen mir erzählen, dass sie ein schreckliches Jahr gehabt hätten, „weil der Saturn so schlecht gestanden ist“ und dass ich fürs neue Jahr hoffentlich gute Nachrichten für sie habe. „Nein, mit dem Saturn, mit dem will ich nicht noch mal was zu tun haben…“, ist dann die Erklärung.

Ich reg mich darüber natürlich nur ein bisschen auf, weil ich schließlich weiß, dass das nun mal die Vorstellungen sind, die da draußen über Astrologie kursieren. Aber denken Sie bitte nicht, dass das die einzigen Irrtümer wären.

Innerhalb der Astro-Fan-Gemeinde und auch unter denjenigen, die ausgebildet sind, kursieren mindestens genauso viele hartnäckige Mythen, wie bei dem Mann oder der Frau auf der Straße.

Rückläufiger Merkur? Ooooh, das ist karmisch!

Eine der kurzsichtigsten Interpretationen, die mir immer wieder begegnen, sind die Aussagen über „rückläufige“ Planeten im Horoskop. In den Computerausdrucken erkennt man das meist an einem kleinen „R“, das hinter einem Planeten eingezeichnet ist.

So kommen mir dann in der Beratung Aussagen zu Ohren, wie: „Meine letzte Astrologin hat mir gesagt, mein Merkur sei rückläufig und das sei karmisch … können Sie mir sagen, was das eigentlich heißt?“.

Jetzt mal langsam! Wenn wir schon von Karma sprechen wollen (Karma ist einer der missverständlichsten Begriffe überhaupt), dann ist das gesamte Horoskop karmisch. Es zeigt, was in diesem Leben ansteht, und das, was in diesem Leben ansteht, basiert auf dem, was davor war. Welche Entscheidungen getroffen und welche Entwicklungen gemacht wurden - und wo es in diesem Leben für jemanden lang gehen soll.

Da hat wohl jemand was Böses gemacht …

Um den Begriff „karmisch“ dann weiter zu untermauern, behaupten nun einige Astrologen, dass wir in einem oder mehreren vergangenen Leben die Funktion, die der betroffene Planet symbolisiert, „missbraucht“ hätten. Merkur steht für unser Denken, für unsere Sprache und für das Wissen, das wir uns aneignen und zur Verfügung haben.

Übersetzt hieße das dann zum Beispiel, dass wir unsere Worte so eingesetzt haben, dass sie andere verletzt haben. Oder wir haben Wissen, das einem anderen vielleicht hätte nutzen können, bewusst zurück gehalten. Vielleicht haben wir aber auch unser Denken dazu benutzt, etwas zu entwickeln, was anderen Schaden zufügt.

Als Folge der „missbräuchlichen“ Verwendung hätten wir in diesem Leben besondere „Mühe“ mit den Funktionen, für die Merkur steht. Unser Denken, unsere Sprache funktionieren also nicht so leicht wie bei anderen und es kostet uns viel Anstrengung, uns Wissen anzueignen.

Was ich von dieser Theorie halte

Für mich ist die Aussage mit dem Missbrauch eine Nullaussage, weil sie nicht zu überprüfen ist. Sie gehört für mich in den Bereich der Spekulation, die sich interessant anhört und die dem Astrologen, der Astrologin eine Aura von besonderem Wissen und damit Macht verleiht.

Solche Deutungen sind aber wertlos, im schlimmsten Fall rufen Sie bei dem, der rückläufige Planeten im Horoskop hat, schlechte Gefühle hervor.

Der betreffende Planet soll also „Mühe“ machen in diesem Leben. Jetzt frage ich Sie: Wer hat nicht ab und an „Mühe“ mit einer Seite in sich? Ich habe zum Beispiel keinen rückläufigen Merkur und hatte mit Merkur ganz schön viel Trouble: Als Kind habe ich gestottert, war schweigsam in der Schule (ab einem bestimmten Zeitpunkt jedenfalls) und hatte Angst, etwas Falsches zu sagen. Es gab Schulfächer, da hatte ich Bretter, dick wie Mauern, vorm Kopf.

Später hielt ich viele Jahre andere immer für gescheiter als mich. Hätte ich einen rückläufigen Merkur, dann würden Astrologie-Kenner jetzt weise nicken …

Die besondere Stärke von rückläufigen Planeten

Die Karma-Theorie und die Aussage über den Missbrauch sind für mich unbrauchbar, weil sie den Betreffenden nicht wirklich weiter helfen. Stattdessen beobachte ich lieber, was es mit Menschen auf sich hat, die rückläufige Planeten im Horoskop haben.

Wenn ich in meinen Beratungen nachfrage, fällt mir meist eine Besonderheit auf: Ein rückläufiger Merkur zum Beispiel versieht Menschen offenbar mit einer ganz speziellen Begabung.

Natürlich nicht zwangsläufig und als 100-Prozent-Regel. Aber ich habe oft  bei diesen Menschen die Fähigkeit beobachtet, etwas intensiv zu hinterfragen und Bestehendes auf den Prüfstand zu stellen. Diese Menschen machen sich vor allen Dingen eigene Gedanken, statt einfach nur Vorhandenes zu übernehmen. Aber auch das Eigene wird immer wieder einer Inventur unterzogen, so dass sich eine kontinuierliche Entwicklung vollzieht.

Drei beeindruckende Beispiele

Ich habe daher für Sie drei Horoskope herausgesucht, die - was die Rückläufigkeit von Merkur anbelangt - ein Augenöffner sind:

  • Astrid Lindgren (weltbekannte Kinderbuchautorin mit starkem Einfluss auf die schwedische Innenpolitik),
  • Wolfgang Döbereiner (Astrologe) und
  • Steve Jobs (Mitbegründer von Apple)

Meinetwegen können diese Menschen irgendwas „in früheren Leben“ - was auch immer man sich darunter vorstellen mag - angestellt haben. In meinen Augen sind alle drei Geistesgrößen, die unsere Welt maßgeblich geprägt haben. Das alleine zählt.

Astrid Lindgren, geb. am 14.11.1928 in Vimmerby, SWE. Uhrzeit unbek.

Die Uhrzeit ist unbekannt. Ich habe zur Berechnung 12:00 Uhr mittags genommen
Interessantes zu ihrem Leben ... klicken Sie hier!
  • Glückliche Kindheit. Fleißige und begabte Schülerin. Machte "Realexamen", was für Kinder ihres Standes damals ungewöhnlich war.
  • Erster Job als Volontärin bei einer Zeitung. Lernte genaue Recherche, Korrekturlesen und Kurzberichte zu schreiben.
  • Geheime Arbeit beim Nachrichtendienst bis zum Kriegsende vermittelt ihr tiefe Einblicke in die Kriegsereignisse in aller Welt.
  • Ab 1933 Veröffentlichung von ersten Kurzgeschichten.
  • Ab Mitte 1940 verstärkt sich die Schriftstellerei (Astrid Lindgren wollte NIE Schriftstellerin werden!)
  • 1944 wird Pippi Langstrumpf von einem Verlag abgelehnt. Reicht die Geschichte aber trotzdem bei "Rabén & Sjörgen" ein, bei dem sie bis zu ihrer Pensionierung als Lektorin arbeitete.
  • Pippi Langstrumpf ist zunächst sehr umstritten und wird von fünf deutschen Verlagen erstmal abgelehnt (zu wenig "normal").
  • Letztendlich wurde sie doch zur meist übersetzten Autorin, in Deutschland brachte sie es zu einer Gesamtauflage von 20 Mio Exemplaren.
  • Astrid Lindgren war Perfektionistin, was ihre Texte anbelangte. Sie änderte so lange, bis jeder Satz passte.
  • Sie hinterlässt uns ein riesiges Archiv mit tausenden von Briefen aus aller Welt.
  • Zitat: "Das einzige, was ich hier auf Erden zustande gebracht habe, sind eine Menge Einfälle, und es ist mir selber rätselhaft, wie man so unentwegt mit lauter, zum Teil überdies noch recht verschrobenen Einfälle leben und fast sterben kann".

Quelle: Wikipedia

Wolfgang Döbereiner, geb. am 28.2.2918 um 13:07 Uhr in München

Die Uhrzeitangabe entstammt aus einem seiner Seminar-Bücher
Ein kurzer Blick auf sein Wirken ... klicken Sie hier!
  • Abitur. Musikstudium.
  • Döbereiner war immer "anders". So war er zum Beispiel sehr unzufrieden mit der politischen Entwicklung im Nachkriegsdeutschland und suchte zum Geldverdienen immer Wege, die ihn nicht ins System pressten.
  • Er entwickelte ein eigenes astrologisches Deutungssystem, die "Münchner Rhythmenlere". Das große Verdienst dieses Deutungssystems ist, dass es einen gut nachvollziehbaren Weg durchs Horoskop ermöglicht.
  • Gründete eigene Astrologieschule und wurde schnell durch Veröffentlichungen in Zeitungen, durch Wetterprognosen und durch seine Ansichten zu homöopathischen Mitteln bekannt.
  • Zentral in der Deutung von Döbereiner ist der Begriff der "Verdrängung". Verdrängt der Mensch etwas, greift das Schicksal zur Korrektur ein.
  • Damit wird der bloßen "Schicksalsabhängigkeit", die bis dato in der Astrologie vorherrschte, widersprochen. Kennen wir das "Warum" eines Ereignisses, können wir unser Leben beeinflussen. Das Horoskop hilft, dieses Warum ausfindig zu machen und zu begreifen
  • Zitat: "Das Schicksal ist nie zufällig oder böse".
  • Döbereiner verweigerte sich dem "Astro-Wirbel", der in den siebziger Jahren begann. Er nahm nie an Kongressen teil, im Gegenteil, er stand anderen Astrologen sehr kritisch gegenüber.
  • Nichtsdestotrotz wurden Döbereiners Ansichten von vielen Astrologen in ihr eigenes System integriert.
  • In späteren Jahren änderte Döbereiner nochmal seinen gut funktionierenden Deutungsweg mit der Bemerkung, "um es meinen Abschreibern schwer zu machen" (sinngemäß zitiert. Wenn ich die genaue Stelle finde, füge ich sie hier ein).

Döbereiners Beitrag zur Astrologie ist für mich unumstritten. Wer sich wirklich ernsthaft mit Astrologie befassen möchte, empfehle ich zumindest die ersten sechs Bände seines umfangreichen Werks in Form von Seminarmitschnitten.

Steve Jobs, geb. am 24.2.1955 um 19:15 PST, San Francisco, CA

Quelle: astro.com Rating AA
Einige Fakten aus seinem Leben ... klicken Sie hier!
  • Großes Interesse schon als Kind an der Elektronikindustrie.
  • Lernte so schnell, dass er eine Klasse überspringen könnte.
  • Bricht Studium ab, besucht nur noch die Vorlesungen, die ihn interessierten.
  • 1976 Gründung von Apple zusammen mit zwei anderen, Entwicklung des Heimcomputers.
  • 1984 erster großer kommerzieller Erfolg mit dem "Macintosh". Der hat eine grafische Benutzeroberfläche und eine Maus.
  • Aufgrund eines Machtkonflikts verlässt Steve Job mit weiteren fünf Angestellten die eigene Firm und gründet
  • 1986 "NexT Computer". Musste nach einem Gerichtsverfahren seiner ehemaligen Firma Einblick in die Arbeit von NexT-Entwicklungen geben.
  • 1996 kauft Apple NexT auf, Jobs erhält eine Beratertätigkeit und wird zum Geschäftsführer.
  • 1998 stelle Job den iMac vor, 2001 den iPod, 2007 das iPhone, 2010 das iPad ...
  • Zitat: "große Dinge werden in der Gesellschaft nicht von einer Person gemacht, sondern von einem Team"
  • Jobs interessierte sich stark für Ernährung und verfolgt immer wieder bestimmte Ernährungsstrategien, war Buddhist.
  • 2009 Kündigung bei Apple aus gesundheitlichen Gründen.

 

Eines verbindet übrigens die angeführten Menschen: Wenn es um ihr geistiges Schaffen ging, gab es Kämpfe auszufechten:

  • Pippi Langstrumpf war dem ersten Verlag zu wenig "normal" und wird erst im zweiten Anlauf veröffentlicht;
  • Steve Jobs verließ wegen interner Querelen seine eigene Firma und musste den neuen Inhabern hinterher Einblick in seine weiteren Entwicklungen geben;
  • Viele Astrologen übernahmen den Denkansatz von Döberiner und integrierten ihn in ihre Deutungssysteme, ohne aber die Quelle zu nennen.

Die herausragende Funktion des Merkur ist bei allen von ihnen aber unumstritten. Drei Horoskope „beweisen“ natürlich noch nichts. Aber mir geht es nicht um einen Beweis, sondern mehr darum, Ihnen eine andere, etwas weitere Sicht der Dinge anzubieten und Sie zu ermutigen, Aussagen, die in der Astrologie wie in Stein gemeißelt scheinen, mit eigenen Beobachtungen zu ergänzen.

Vor einem müssen wir uns aber hüten - rückläufige Planeten jetzt a priori als „Erfolgsfaktor“ zu betrachten! Nicht jeder, der einen oder mehrere rückläufige Planeten im Horoskop hat, muss deshalb gleich wie eine Rakete abgehen. Aber wir sollten diese Planeten immer als eine besondere Stärke betrachten, die im Leben dieses Menschen eine wichtige Rolle spielen. Die Gesamtdeutung des Horoskops hilft dann, diese Rolle genauer zu umschreiben und einzuordnen.

Wenn Sie rückläufige Planeten im Horoskop haben und mehr darüber wissen wollen, dann unterstütze ich Sie gerne mit einer Beratung!

Dieser Artikel wurde am 08.01.2019 von Sylvia Grotsch veröffentlicht und befindet sich in den Kategorien:

Sylvia Grotsch. Ich bin Diplom-Psychologin, Astrologin und Coach. Seit 1984 unterstütze ich Menschen mit astrologischen Beratungen und Kursen bei der Entdeckung ihres Potenzials für ein erfülltes und erfolgreiches Leben. Hier finden Sie ausführliche Informationen zu meinen astrologischen Beratungen.

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Kommentare

Kommentar von Heike Sommer |

Liebe Frau Grotsch,
herzlichen Dank. So kann ich meine 3 rückläufigen Planeten, insb. den Mars besser einschätzen.
Vielleicht eine naive Frage: Mir ist aufgefallen, dass zumindest Astrid Lindgren und Steve Jobs „irre viel“ Rückläufige haben. Spielt dies bei ihrem Lebenswerk eigene besondere Rolle?

Antwort von Sylvia Grotsch

Hallo Frau Sommer!

Ja, das ist auffällig! Ob das nun noch zusätzlich eine besondere Bedeutung hat, wage ich nicht zu sagen ... es gibt allen in Frage stehenden Planeten mehr Tiefgang und Gründlichkeit. Und wenn jemand mehrere Planeten rückläufig hat, dann ist die permanente Infragestellung besonders stark an diesem Menschen spürbar.

Herzliche Grüße,

Sylvia Grotsch

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