ASTROMIND

Sylvia Grotsch Diplom-Psychologin
Praxis & Schule für Astrologie in Berlin Tel.: +49 (30) 873 10 98 - www.astromind.de

Ein Tiny House und die Datum-gleich-Gegenstände-Ausmistmethode

Fotoquelle: pixabay.com

von Sylvia Grotsch (Kommentare: 20)

Vor vielleicht zwanzig Jahren habe ich, auf einem kühlen Bettlaken liegend, ein einschneidendes Erlebnis. Ich bin soeben in meinem Hotel am Bodensee angekommen, habe meine Siebensachen verstaut und lasse mich aufs Bett fallen. Da entdecke ich, dass ich die Schiebetür vom Kleiderschrank offen gelassen habe.

Mein Blick fällt direkt auf das Wenige, das ich für gut drei Wochen Urlaub eingepackt habe: zwei Blusen, zwei dazu passende Shirts, einen Rock, zwei Hosen, ein Kleid. Eine Strickjacke zum Überziehen, einen Blazer, eine Regenjacke. Alles Lieblingsteile und alles in „meinen“ Farben, die alleine schon beim Anschauen ein gutes Gefühl in mir auslösen.

Da ich ein Doppelzimmer zur Einzelbenutzung habe, ist der Schrank entsprechend groß, meine paar Sachen wirken fast ein wenig verloren darin.

Aber der Blick in die Leere, in den freien Raum, der nur gefüllt ist mit ein paar Kleidungsstücken, die ich wirklich mag (und daher auch anziehe), macht mich glücklich. Ganz anders als mein häuslicher Kleiderschrank damals, in dem sich das ungetragene Zeug seit Jahren stapelte und gegenseitig bedrängte.

"Minimalismus" - warum der bei mir nicht ankommt

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt kam der Begriff „Entrümpelung“ in alle Munde. Jedenfalls in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Wir fingen langsam an zu kapieren, dass wir alle zu viel hatten, beziehungsweise zu sehr an Dingen, die wir nicht mehr brauchten, fest hielten.

Da schlug dann die entsprechende Literatur wie eine Bombe ein. Sei es das „Simplify your Life“ von Werner Tiki Küstenmacher, das „Fengshui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen von Kingston oder neuerdings das Buch von Marie Kondo: „Magic Cleaning“.

Dabei aber blieb es nicht. Ein Zweig des Entrümpelungstrends entwickelte sich die letzten Jahre zu einer Art Religion, zum „Minimalismus“. Die Devise: möglichst wenig haben, möglichst wenig Ressourcen nutzen. Hier geht es oft darum, sich selbst nicht nur zu entlasten, sondern auch den umweltschädigenden Konsum drastisch zu reduzieren.

So sehr ich die Minimalisten auch wertschätze, an mich kommt dieser Trend nicht ran. Kaum noch etwas zu besitzen oder mir überlegen, ob ich nun drei oder vier Teller benutzen soll (oder vielleicht nur noch einen), ist nicht mein Anliegen. Außerdem will ich mich nicht in einen -"ismus" einreihen, sondern offen an das Thema herangehen und meine eigenen Erfahrungen machen.

Ich brauche etwas, was mich wirklich begeistert - ein Tiny House zum Beispiel

Bei meinem manchmal verzweifelten Kampf mit den Inhalten meiner 60-qm-Wohnung, fiel mir irgendwann mal ein, dass ich Mitte zwanzig in einem 25 qm großen Appartement gewohnt hatte. Ein Zimmer, kleine Küche, Minibad, Balkon.

Ich hatte Klamotten, Bücher, Küchen- und Bürozeug. Einen Fernseher und ein paar Möbel. Ich kam wunderbar mit diesen Quadratmetern klar, weil die Größe der Wohnung mich disziplinierte. Ich wusste einfach, dass eine bestimmte Tasse keinen Platz mehr haben würde, also habe ich sie nicht gekauft, so hübsch ich sie auch fand.

Kaffee gabs bei mir trotzdem, auch wenn Besuch kam. Ich saß dann auf dem Bett, der Besuch auf dem Sessel. Ich kann mich nicht daran erinnern, mit meiner Wohnsituation unglücklich gewesen zu sein :-)

Amerika machts vor

Und plötzlich tauchte er wieder auf, dieser Life-Style von damals, mit dem ich mich absolut zufrieden fühlte. Er begegnete mir in einem Youtube-Video über „Tiny Houses“. Das ist ein Trend, der aus den USA kommt, hauptsächlich wohl geboren aus der Immobilienkrise. Die Leute kauften sich kleine Häuschen in der Größe von fünfzehn bis dreißig Quadratmetern, hievten die auf einen Anhänger und kutschierten damit, wohin sie wollten.

Seit einiger Zeit schwappt dieser Trend nun auch zu uns und ich muss gestehen, dass ich richtig angefixt bin! Damit kein Missverständnis aufgrund des hübschen Fotos oben entsteht: Ein Tiny House in Deutschland darf nur eine bestimmte Größe haben, hat in der Regel Räder und wird meist neu für den Auftraggeber angefertigt.

[Wo man so ein Teil dann hinstellen darf, steht dann auf einem ganz anderen Blatt, die deutsche Gesetzgebung lässt natürlich nicht zu, dass man sich damit an den Waldrand oder auf die Wiese stellt]

Jedenfalls: So ein kleines Häuschen mit der Hälfte meiner jetzigen Quadratmeter, das wärs doch! Zumal die Dinger heutzutage total klug geplant sind, sodass sogar eine Spül- und Waschmaschine Platz darin haben. Und der Gedanke, mehr in der Nähe der Natur zu wohnen, ist auch attraktiv für mich.

Was ich gerade tue, um mich auf so wenige Quadratmeter zu reduzieren

Ich weiß nicht, ob ich diese Idee wirklich umsetzen werde, aber der Gedanke: „Was würdest du mitnehmen, wie würdest du dich organisieren, wenn du in ein Tiny House ziehen würdest?“, hat bei mir ganz neue Kräfte frei gesetzt.

Jetzt geht es nämlich nicht mehr darum, aufzuräumen und ein bisschen zu reduzieren (und den Rest dann doch wieder gnädigerweise in den Schubkasten unterm Bett zu verstauen, weil ich mich nicht entscheiden kann), diesmal geht es um ein radikaleres Sich-trennen.

Dazu muss natürlich eine Methode her :-)

Ich weiß nicht, wie Sie das machen, sicher machen Sie es besser als ich. Aber ich war bislang so der Quartals-Entrümpler, der sich mal in einer großen Aktion von etwas befreit hat, was relativ leicht fällt. Dazu gehört heutzutage bei mir Kleidung, die ich seit zwei Jahren nicht mehr getragen habe, Bücher, die ich doof finde und daher nie wieder in die Hand nehmen werde und Geschirr, das angeschlagen ist. Behältnisse ohne Verwendung, leere Dosen … und was man halt so für Zeug hat. Hinterher habe ich dann immer so das befriedigende Gefühl, mich befreit zu haben :-)

Aber in ein Tiny House könnte ich deshalb noch lange nicht ziehen. Weil bei dieser Vorgehensweise immer noch Dinge bleiben dürfen, die ich nicht wirklich nutze. Also muss ein radikalerer Weg her, der mir dann auch prompt auf Youtube begegnete. Dort nennt sich dieser Weg manchmal die „31-Tages-Challenge“, ich habe für mich daraus die „So-viele-Gegenstände-wie-das-Datum“-Methode gemacht.

Die geht so: Ich habe am 9. eines Monats begonnen. An diesem Tag verlassen neun Gegenstände (oder irgendwelches Kleinzeug, wie zum Beispiel eine rumliegende leere Streichholzschachtel) meine Wohnung. Entweder sie finden den Weg in den Müll, in den Verkaufen- oder in den Verschenken-Karton. Letzterer füllt und leert sich zu meiner Freude sehr fleißig, weil ich viele Abnehmer im Haus habe. Am 10. dann verlassen zehn Gegenständige das Haus … Sie wissen, wie es weiter geht.

Und wenn Widerstände auftauchen?

Die ersten Tage habe ich das fröhlich vor mich hin summend über die Bühne gebracht. Ab dem 20. wurde das Ganze dann zur echten Herausforderung. Nicht, weil es da nichts mehr gäbe, sondern weil ich auf Dinge gestoßen bin, die ich schon seit Jahren vor mir her schiebe … und jetzt geht der innere Kampf los:

„ … Könnste ja vielleicht doch noch gebrauchen?“

„ … hat das im Tiny House Platz?“

„ … Naja, noch hab´ ich kein Tiny House!“

„ … Schluss jetzt - würdest du das ins Tiny House mitnehmen wollen, ja oder nein?!“

Glücklicherweise kann ich, wenn die ganz großen inneren Kämpfe losgehen, auf mein Bücherregal zurückgreifen und auf ganz viele Seminar-Unterlagen, die noch eingescannt werden müssen (alles, was keinen Platz mehr einnimmt, zählt). Da kommt ganz schnell eine stattliche Zahl zusammen, so dass ich bislang auch ein höheres Datum immer bedienen konnte. Aber eines Tages wird natürlich auch damit Schluss sein.

Und was, werden Sie vielleicht fragen, machst du, wenn du einen Tag mal wirklich nicht kannst oder verreist bist (oder die Widerstände allzu groß sind)? Dann werden Tage eben ausgelassen und es wird auch nicht nachgearbeitet. Beim nächst möglichen Datum geht es dann weiter. Alles, was zum Zwang oder gar zum Wahn wird, ist eh nicht zielführend.

Mit einem aber muss man rechnen, auch wenn man ganz locker anfängt: Mit dieser Methode stoßen wir garantiert auf die dicken Hunde, die uns schon seit Jahren blockieren. Wer über ein solches Hindernis nicht hinwegkommt, sollte sich vielleicht Unterstützung holen, bevor er das ganze Projekt vielleicht wieder hinschmeißt. Ich bin gespannt, ob ich diesen Tipp dann auch mal auf mich anwenden muss :-)

Wenn ich schätzungsweise vier Runden (einschließlich kleiner Pausen) hinter mir habe, dürfte ich reif fürs Tiny House sein :-). Nein, natürlich nicht wirklich. Denn um wirklich einzuziehen, müsste ich auch noch alles an Einrichtung loslassen und die Küchenutensilien drastisch reduzieren, was ich jetzt nicht vorhabe. Aber ich denke, ich werde mich von allem Überflüssigen getrennt haben und das alleine ist schon ein großer Schritt.

Bei jemand anderem kann es schneller gehen, als meine angedachten vier Monate, vielleicht braucht es aber auch viel länger. Das ist eigentlich völlig egal, wichtig ist der Prozess, den man dabei durchläuft.

Was ich davon habe, auch wenn ich mir den Traum nicht erfülle

Es mag merkwürdig klingen - mir ist es ziemlich egal, ob ich eines Tages in meinem Tiny House wohne oder nicht. Was ich mir durch diesen Prozess und meine Begeisterung für diese Idee verspreche, ist eine ganz neue Begegnung mit mir selbst. Wer werde ich sein, wenn ich mich von vielem getrennt habe, was werde ich tun und welche Überraschungen hält das Leben dann für mich bereit?

Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf eine riesengroße Entlastung und vielleicht werde ich dann den Raum in meiner jetzigen Wohnung wieder mit ganz neuen Augen sehen.

Das Ganze ist ein ernst gemeintes Spiel für mich. Und es macht verdammt viel Spaß bislang (wenn es nicht gerade der 20. bis 31. des Monats ist). Eines Tages erzähle ich Ihnen dann, wie es ausgegangen ist.

Wie finden Sie die Idee? Ich freu mich übrigens, wenn Sie unten in die Kommentarfunktion reinscheiben, wie Sie so mit Ihrem „Zeug“ umgehen und wie viel Raum Sie haben und wie viel Sie sich wünschen würden. Ganz real - aber auch im übertragenen Sinne gemeint.

Dieser Artikel wurde am 09.07.2018 von Sylvia Grotsch veröffentlicht und befindet sich in den Kategorien:

Sylvia Grotsch. Ich bin Diplom-Psychologin, Astrologin und Coach. Seit 1984 unterstütze ich Menschen mit astrologischen Beratungen und Kursen bei der Entdeckung ihres Potenzials für ein erfülltes und erfolgreiches Leben. Hier finden Sie ausführliche Informationen zu meinen astrologischen Beratungen.

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Kommentare

Kommentar von Christine |

Der Idee des Minimalismus kann ich nur zustimmen. Für meinen dreiwöchigen Urlaub auf der anderen Seite der Welt habe ich diesmal nur das "Nötigste" eingepackt. Weniger als sonst für eine Woche in Deutschland. Wieso immer so viel mitnehmen, dachte ich. Ein paar Shirts und Hosen für warm und kalt bzw zum wechseln müssten doch reichen. Noch eine dünne und wärmere Jacke, voila. Und es reicht tatsächlich bzw ich könnte mich noch auf weniger beschränken. Eine tolle Erfahrung, die ich, wieder in Deutschland angekommen, auch in meinem häuslichen Umfeld umsetzen könnte. Den Mut haben sich von Altem zu trennen um Platz zu schaffen, nein, nicht für Neues

Antwort von Sylvia Grotsch

Hallöchen, Christine,

ich denke, da ist zum Schluss was abgerissen? Nein, es geht wirklich nicht um "Neues", vielmehr um "neuen Raum" für sich zu gewinnen.

Toll, dass Sie die Erfahrung bereits gemacht haben, dass wir im Grunde nicht wirklich "viel" brauchen und dass wir sehr viel gewinnen, wenn wir das ganze Gepäck mal reduzieren. 

Herzlich

Sylvia Grotsch

Kommentar von Marianne Ziemt |

Ich bin auch schon lange von den Tiny Houses angefixt. Und auch gerade am Entrümpeln. (bin Schütze.) Frage mich, was mich gerade jetzt dazu treibt. Der aktuelle Uranus im Stier mit Mars "im Gepäck" im Quincunx zu Sonne? Der aktuelle Saturn im Steinbock, der Disziplin verlangt? Aber ich merke, ich habe heftige Widerstände.

Antwort von Sylvia Grotsch

Hallo Frau Ziemt,

ja, die Widerstände ... oft kommt man da nur weiter, wenn man regelmäßig immer eine Kleinigkeit macht ... wir haben eben auch alle unsere Biografie, die hier oft ein Wörtchen mitredet.

Wer oder was Sie treibt, ist wohl nur zu sehen, wenn man sich Ihr Horoskop anschaut, ich würde das jetzt keinem einzelnen Planeten zuschreiben, sonst würden das ja jetzt "alle" machen.

 

Herzliche Grüße -  und viel Erfolg!

Sylvia Grotsch

Kommentar von Birgit M. |

Irgendwie sind diese Tiny Houses aber auch grad ein Trend. Vielleicht ein Zeitgeist? Erst vor ein paar Tagen bin ich ein wenig im Internet herumgesurft und habe mich informiert. Bei uns tatsächlich nicht so einfach zu installieren..Bekannte von mir haben ein Tiny House auf dem Grundstück eines ihnen bekannten Bauern aufstellen dürfen. Mitten zwischen den Apfelbäumen und auf dem Boden, nicht auf Rädern. Ich glaube das Projekt hat viel Zeit gebraucht- das Ergebnis genießen die beiden sehr. Vielleicht eine Anregung mit den Bauern in der näheren Umgebung zu sprechen?
Die 31 Tage Methode finde ich super! Momentan miste ich so aus:
Schritt 1: ein Schrankhüter wird anprobiert.
Schritt 2: Ich ziehe das Teil gleich wieder aus, weil ich es doch nicht tragen mag, es nicht sitzt, die Farbe doof ist....usw. und landet auf dem Entsorgungsstapel.
oder: ich trage es einen Tag und entscheide dann ob ich es behalte oder nicht.
Der Entsorgungsstapel ist schon ziemlich angewachsen...

Liebe Frau Grotsch der Artikel macht mir Lust auf "Mehr"...

Herzliche Grüße
Birgit M

Antwort von Sylvia Grotsch

Hallo Birgit,

"mehr" auf was haben Sie Lust?

Ich wünsceh Ihnen viel Freude an wachsenden Stapeln :-). Gute Idee, etwas mal einen Tag "auf Probe" zu tragen ...

Liebe Grüße

Sylvia Grotsch

Kommentar von Christine Rümmele |

Liebe Frau Grotsch
wie toll Sie schreiben... ich entrümple seit über einem Jahr für mehr Raum und frische Energie. Ich musste lachen wegen der hübschen Tasse, die Sie nicht gekauft haben,ich liebe Tassen, schöne Gläser und Geschirr und natürlich Bücher.
Vielen Dank mit dem Tipp zum Entrümpeln nach Datum, das fühlt sich an wie ein Spiel :-) Mit dem beginne ich heute und wenn ich mal einen Tag auslasse, aus welchem Grund auch immer, geht die Sonne am nächsten Tag trotzdem auf.
Eine Bekannte verkauft regelmässig an Flohmärkten, sie bekommt die Dinge, die ich nicht wegwerfe.
Liebe und sonnige Grüsse aus der Schweiz
Christine Rümmele

Antwort von Sylvia Grotsch

Liebe Frau Rümmele,

der Verzicht auf die Tasse war "damals", als ich nur 25qm hatte. Heute habe ich  ja mehr als das Dopplelte an Wohnraum mit einer ausgesprochen geschickt geschnittenen Küche, die sehr viel Stauraum bietet :-). Und ja, als Nachkriegskind werde nicht zur Konsumverweigerin, die stur auf alles verzichtet nur aus Prinzip - aber das Reduzieren auf die wirklich schönen Dinge, die ich liebe, tut richtig gut. Und wenn dann eine schöne neue Tasse den Weg zu mir finden will, ist sie herzlich willkommen :-).

Heute regnet´s hier, da lehre ich den heute fälligen 12 Dingen gleich mal das Fürchten :-). Schon erstaunlich, was sich immer so findet.

Viel Spaß Ihnen beim Freiraum schaffen und herzliche Grüße

Sylvia Grotsch

Kommentar von Gertrude Pallaoro |

Liebe Frau Grotsch! Die Tiny House Idee finde ich grossartig. Ich fühle mich jetzt schon leichter wenn ich nur daran denke was ich alles entrümpeln könnte. Wenn, ja wenn, das schlechte Gewissen gegenüber der Familie nicht wäre! Trotzdem, heute wandern 13 entbehrliche Stücke aus meiner Wohnung. Danke für die gute Idee!

Antwort von Sylvia Grotsch

Liebe Frau Pallaoro,

ja, mit Familie zu leben, ist hier auch noch mal eine ganz besondere Herausforderung. vorallen Dingen, wenn die einzelnen Mitglieder unterschiedliche Bedürfnisse in Sachen HABEN haben.

Die beste Strategie ist hier, mit den Dingen zu beginnen, die Ihnen gehören und über die niemand sonst verfügt. Das dann ganz konsequent zu machen,  ohne die anderen aufzufordern, da mitzumachen .... oder sie zu fragen, ob Sie etwas wegtun dürfen.

Entrümpeln ist oft eine Art Virus, der irgendwann andere ansteckt. und je weniger wir versuchen, die anderen da mit einzubinden, desto besser wirkt er :-).

Oder meinen Sie vielleich auch alte Erinnerungsstücke oder Geschenke, die Sie von Ihrer Ursprungsfamilie erhalen haben? Omas Service zum Beispiel, das Sie einfach nicht leiden oder benutzen mögen? Wenn wir "schöne" Dinge, die wir nicht mehr mögen, an andere weitergeben, erweisen wir ihnenn gegenüber auch Respekt. Denn stellen Sie sich vor, Sie seien ein Service und würden nie benutzt werden? Wenn Sie zum Beispiel durch Verschenken das Service wieder seiner "Bestimmung" zuführen, dann tun Sie allen Beteiligten etwas Gutes. Auch dem Service.

Wenn eigentlich wertvolle Dinge woanders weiterleben dürfen, tun wir uns mit dem Loslassen leichter.

Ich wünsche Ihnen viel Schwung und einen weiter werdenden Lebensraum für Sie!

Sylvia Grotsch

Kommentar von Ute Müller |

Hallo Frau Grotsch,

ich verfolge den Tiny house - Trend nun schon gut 1 Jahr recht intensiv, bin in ein paar Gruppen bei FB, in einem Forum und war auch schon bei realen Treffen von Gleichgesinnten. Das Thema ist bei mir ähnlich wie bei Ihnen im Hinterkopf so ein wenig als Plan B abgespeichert. Sollte sich berufliche Unabhängigkeit ergeben, die mir eben auch örtliche Unabhängigkeit beschert, dann wäre das Thema in Norddeutschland schon ganz gut umsetzbar.

Ich habe schon viel reduziert, aber meine Küchen-Utensilien sind auch mir wichtig :) Auch kann ich mich von ein paar eigentlich unwichtigen Dingen nicht trennen, weil ich sie als Fundus für Shootings dann doch mal brauchen könnte. Sie sehen, mein Hintertürchen habe ich mir schon eingebaut ;)

Egal, das Thema ist ständig in meinem Bewusstsein und damit beeinflusst es mein Konsumverhalten. Soll auf jeden Fall erfüllt!

Liebe Grüße
Ute

Antwort von Sylvia Grotsch

Ah, noch jemand, der angefixt ist :-). Ich denke, das Ganze, liebe Ute, ist auch ein "Prozess". So bin ich doch immer wieder erstaunt, was ich bei erneuten Runden alles noch finde, was das letzte Mal bleiben durfte. Und da ich ja nicht morgen in ein Tinyhouse ziehe (aber wer weiß ...), behalte ich natürlich auch noch einiges, was mir gerade das Leben sehr erleichtert.

Mein "Problem" werden eines Tages Küchenmaschinen sein, die ich täglich benutze: Smoothie-Maker, Entsafter, Wasserkocher Zitruspresse und Kaffeemaschine. Alles hochwertige Geräte, ohne die ich mir mein Leben gerade gar nicht vorstellen will. Denn das alles in "klein" zu haben, bedeutet nicht die gleiche Qualität. Ja gut, die Zitruspresse kann ich dann wieder mit der Hand in Betrieb nehmen :-).

Aber ich denke, es wird sich alles eines Tages zeigen. Ich kümmere mich ums Loslassen, die Lösungen kümmern sich dann oft um sich selbst :-).

Herzlich

Sylvia Grotsch

Kommentar von Sabine Biehle |

Sehr gute Idee! Bei uns ist zweimal im Jahr Schenketag im Mehrgenerationenhaus... Das kommt mir sehr entgegen, denn so werden alle Dinge die ich nicht mehr brauche, mir nicht mehr gefallen weitergegeben. Die Kleidung die noch gut ist, mir aber nicht mehr entspricht, Kommt in unseren BRK Kleiderladen. In dem Laden hab ich auch schon so manches Teil gefunden das dann wieder zu mir durfte:-)

Antwort von Sylvia Grotsch

Mehrgenerationenhaus ist natürlich überhaupt super! Weil sich da verschiedene Jahrgänge mit ganz unterschiedllichen Bedürfnissen treffen! Dinge, die vor zwanzig Jahren bei mir "sein mussten", interessieren mich heute einfach nicht mehr ...

Kommentar von Sonja |

Ich bin im Jänner von einem Reihenhaus mit insgesamt 200m2 in eine kleine Dachterassenwohnung mit 48m2 umgezogen!

Antwort von Sylvia Grotsch

Echte Leistung! Aber wie man sieht: funktioniert alles!

Kommentar von Christina Schmautz |

Liebe Sylvia

Ich mag diese Ausmist-Methode! Danke für den Tipp, werde ich gerne ausprobieren, wobei ich eher zu der Sorte gehöre, die Dinge leichten Herzens ausmisten und dann im Nachhinein feststellen, dass das vielleicht doch noch nützlich gewesen wäre, hihi - aber so what!
Liebe Grüsse aus der Schweiz, Christina

Antwort von Sylvia Grotsch

Hallo Christine,

genau so: "so what". Wenn ich alles behalten würde, was ich vielleicht noch mal brauchen könnte, käm ich nie zu was :-). Dann wirds halt neu angeschafft oder überlegt, ob ich es noch woanders her bekomme. Oder ich vielleicht doch nicht brauche ...

Liebe Grüße

Sylvia

Kommentar von Heidrun Adriana Bomke |

Liebe Frau Grotsch,

ich habe Ihren Artikel vom Loslassen mit viel Freude und Kopfnicken gelesen - danke! Ich bin in den letzten sieben Jahren einen Wandlungsweg gegangen (und gehe ihn noch), der mich aus einem großen Familien-Haus von 180 Quadtratmeter mit zwei Garagen, Garten, einem vollgestellten Boden etc. im Norden Deutschlands zu einem viel viel leichteren Leben an der Südküste Siziliens (und auch noch in Deutschland) geführt hat.

Zwischendurch war ich regelrecht eine Schreib-Nomadin, mit einem kleinen Depot von 13 Kubikmeter und wechselnden kleinen Wohngelegenheiten unterwegs. Ich war noch nie so kreativ wie in dieser Zeit! Fühlte mich frei in den Elementen. Ja, ich war und bin wirklich in diesem Unterwegssein auch zu Hause. Eine digitale Nomadin werde ich wohl nicht, denn da fehlen mir die Menschen, die Begegnungen während der Arbeit.

Ich pflichte Ihnen bei, dass es Zeit braucht . Nach zwei Jahren konnte ich mein Depot loslassen, verschenken, etwas verkaufen, Bücher an Bibliotheken geben ... ich spürte genau, wann es soweit war, einen größeren Schritt zu gehen, denn Materie gibt ja auch vermeintlich Stabilität etc. Und ich lebe ja in einer materiellen Welt, auf dieser Erde. Nur wie?, das ist die gute Frage.

Als ich dann vor vier Monaten nochmal am Vulkan Ätna mit einigen Kisten um mich herum etwas ratlos bei einer Bekannten zugange war, da kam ein junges Mädchen des Wegs. Sie war da gerade zum WWOOF. Wir kamen ins Gespräch. Sie war nur mit einem Rucksack auf Reisen von Finnland bis Sizilien. Auf die Frage, was ihre Loslass-Methode sei, antwortete sie: "Ich frage mich immer: Macht es mich wirklich glücklich?" Wow, das gab mir einen Kick! Ich bedankte mich von Herzen und ratzibutzi hatte ich Ordner (welch Unsinn, sie immer mitzuschleppen, ich habe den Inhalt ja in mir) und Täschchen und Teller und - ich habe es schon vergessen - in Mülltüten gepackt. Dieser Satz inspirierte mich auch zum Schreiben. Und wenn ich in einer Woche auf Reisen gehe in den Norden, dann habe ich nur einen Rucksack auf dem Rücken und eine Hündin, die mir ihr Vertrauen geschenkt und ich ihr dann das meine, an der Leine, wenn wir mit Schiff und Bahn bis Rosenheim fahren. Und unser Reiseengel wird uns begleiten.

Das Tiny-Häuschen ist eine schöne Vision - ich denke viel über einen Wohnwagen nach. Was ja ähnlich ist. Natürlich und leicht und auch schön möchte er sein, mein Schreib-Wohn-Rückzugsort - mein Ausgang zur Lebendigkeit . Es wird sich finden. Und ich habe schon eine gute Basis, denn Möbelstücke gibt es nicht mehr. Nur einen wundervollen neuen und mir sehr wertvollen sizilianischen runden Lavasteintisch mit den Früchten dieser Insel und einen Stuhl und wenig Kleines.
In diesem Sinne viel sommerliche Leichtigkeit und danke für manche Wegbegleitung!

Heidrun Adriana Bomke

Antwort von Sylvia Grotsch

Liebe Frau Bomke,

echt beeindruckend, was Sie da schreiben.

Hier ein wichtiger Satz: Materie gibt ja auch vermeintlich Stabilität. Vielleicht haben und häufen wir so viel, um die Instabilität unserer Eltern durch zwei Weltkriege wieder wett zu machen? Und jeder kennt Frustkäufe, sicher auch um sich zu trösten, aber sicher auch, um uns zu beruhigen, wenn sonst wie der Boden im Leben schwankt und wir nach Halt suchen ... ein weites Feld ...

Und im Wohnwagen, meine Liebe, kann ich mir Sie sehr gut vorstellen!!! Kennen Sie den "Wohlwagen"? Gehen Sie mal googlen, vielleicht mcht Ihnen das Spaß, das anzuschauen.

Herzliche Grüße

Sylvia Grotsch

Kommentar von Susanne Wohlmann |

In Gandhis Autobiographie gibt es ein Foto seiner persönlichen Hinterlassenschaft: 2 Paar Sandalen, Brille, Notizbuch, Pensel, 2 Schalen, Löffel, Stäbchen, Taschenuhr, Räucherschale (?). Natürlich lassen sich indische Verhältnisse nicht mit Deutschland vergleichen! Dennoch hat dieses Foto tief bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen!

Antwort von Sylvia Grotsch

Oh ja, liebe Frau Wohlmann! Und es erinnert wohltuend daran, dass man nichts mitnehmen kann. wobei es während Lebzeiten schon schön ist, das zu haben, was man liebt ... aber wieviel muss das wirklich sein. Sicher ist das unterschiedlich von Person zu Person (und auch von Alter zu Alter)...

Herzliche Grüße

Sylvia Grotsch

Kommentar von Ingrid H Klauser |

Ich ziehe immer mal wieder um, bzw. suche Wohnung... Wenn die Suche sich zulange hinzieht, fange ich an so auszumisten, dass alles griffbereit ist, in Kisten zu packen. Einmal habe ich sogar schon gepackt bevor ich eine Wohnung hatte. nun ist es wieder soweit und ich merke, dass trotz kleiner Wohnung sich wieder alles staut. Mein Luxus wären nicht viele Dinge aber mehr Raum um mich herum - Freiraum eben.

Antwort von Sylvia Grotsch

Ja, entweder man hat das nötige Kleingeld für "viel Raum" - der dann aber wieder geputzt werden muss oder der magsich Zeugs anzieht - oder man hat wenig Dinge auf kleinem Raum. Ich tendiere eindeutig zu letzterem.

Viel Freude mit mit der (einer) neuen Wohnung und

herzliche Grüße

Sylvia Grotsch

 

Kommentar von Marion Schilcher |

Liebe Frau Grotsch,

tolles Thema. Ich bin eine gute "Wegwerferin, Loslasserin", trotzdem braucht es immer mal wieder einen Rundumschlag, da kommt aber der Impuls ganz von alleine.
Einiges praktiziere ich regelmäßig:
Bücher verkaufen, verschenken (in den letzten 5 Jahren über 500 Stück)
Es kommt kein neues Kleidungsstück in den Schrank, wenn nicht vorher ein altes raus kommt. (Dabei wäre er groß genug ...)
Das alte wird je nach Zustand bei einer "Tauschrauschveranstaltung" verschenkt oder getauscht oder einfach entsorgt.
Ich bin sehr oft umgezogen, deshalb bin ich vorsichtig mit "viel ansammeln" und mag wenig Möbel, minimale Deko etc.
Ich habe 90 Quadratmeter zur Verfügung, Tiny House finde ich toll, aber jetzt noch nicht, ich bin ja auch erst 70.
Die Entrümpelungsmethode finde ich super, die werde ich jetzt sofort - nein eher aber 1.8. nutzen, um meinen Keller zu entrümpeln und zwar vollständig (25 qm), weil er beim letzten großen Regen etwas Wasser abgekriegt hat. Ich gehe nicht gerne in den Keller, aber jetzt geht's los.
Danke für die Inspiration.

Liebe Grüße Marion Schilcher

Antwort von Sylvia Grotsch

Liebe Frau Schilcher,

ja, am 1. eines Monats anzufangen, ist definitv zu empfehlen! Man kann auch immer nur die ersten 14 Tage eines Monats machen .... so, wie man halt grad drauf ist.

Und ja, die "500 Bücher", von denen Sie sprechen, die retten mich jedesmal wieder :-), wenns an die höheren Zahlen geht.

Viel Spaß beim Totalangriff auf Ihren Keller :-).

Herzlich

Sylvia Grotsch

Kommentar von Sonja Moria Zakrzewski |

Hallo Sylvia,
nach meinem Umzug aus einer 120 qm Wohnung in eine 50 qm Wohnung habe ich stark ausgemistet. Ganz stolz und voller Vorsatz, nicht mehr so viel anzusammeln. ICH halt mich dran, nicht mehr so viel anzusammeln.
Nach dem lesen deines Blogartikels fiel es mir wie Schuppen von den Augen, ich sammle nicht sondern andere sammeln für mich. Ich bekomme von Freunden und Verwandten dauernd was mitgebracht. Bei vielen Dingen sage ich schon nein und das ist sehr anstrengend, weil sie für alles eine total stimmige Erklärung haben, wo es hinpassen würde und warum sie dabei an mich gedacht haben.

Flugs bin aufgestanden und habe gleich eine große, dicke, fette Tüte vollgepackt, mit Dingen die die Wohnung nun wieder verlassen.

Danke für deine Inspiration. :-)

Antwort von Sylvia Grotsch

Liebe Sonja Moria,

bei deinem Betrag musste ich schmunzeln! Jeder hat so seine ganz eigenen "Geister", die dafür sorgen, dass freier Platz wieder zuwächst.

Da fällt mir eine Freundin ein, die eines Tages ganz rigoris in Ihrem Freudeskreis verkündete: Ich will nur noch Geschenke, die man aufessen oder verbrauchen kann! Und siehe da - die anderen halten sich dran und bringen nur noch Servietten, Kerzen, Kosmetika und geräucherten Schinken mit :-)).

Herzlich

Sylvia Grotsch

Kommentar von Angelika Fuchs-Bartsch |

Ein sehr aktuelles Thema wie man an den Kommentaren sieht und gute Tipps dabei, vor allem der Ihrige, liebe Frau Grotsch. Aber ich habe ein anderes Problem was Ausmisten anbelangt. Ich kann mich von den alten Fotoalben, die 15 Jahre glückliche LIebesbeziehung beinhalten, allerdings mit einem bitteren Ende (2009), nicht trennen. Die Alben sind alle im Keller, aber ich schaue sie nie an, denn dann werde ich sehr sehr traurig, andererseits wegwerfen bedeuten für mich so viel, wie diese glückliche Zeit einfach aus meinem Leben zu streichen und nicht wertzuschätzen. Was meinen Sie dazu ? BItte teilt mir alle Eure Meinung mit, das hilft mir vielleicht weiter. DAnke - Angelika Fuchs-Bartsch

Antwort von Sylvia Grotsch

Liebe Frau Fuchs-Bartsch,

wenn Sie nach langer Zeit bei Anblick der Alben immer noch "sehr sehr traurig" werden, wie Sie schreiben, wäre es vielleicht gut, sich jemanden zu suchen, mit dem Sie diese Trauer aufarbeiten können? Dann bleibt das Gute in Ihrem Herzen, das Schlechte kann gehen - und Sie sind innerlich frei. Dann werden Sie auch wissen, was Sie mit den Alben am Besten tun werden.

Ich wünsche ihnen alles Gute - weitere Kommentare zu Ihrem Post kopiere ich hier rein.

Sylvia Grotsch

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Antwort von: Marion Schilcher

Liebe Frau Fuchs-Bartsch,
ich komme Ihrer Bitte nach, kann Ihnen nicht raten, nur erzählen wie ich es gemacht habe:
Ich habe die Fotoalben aus zwei langjährigen Partnerschaften in meiner Wohnung. Ich schaue mir hin und wieder die Bilder mit viel Freude und ohne jegliche Wehmut an.
Das ist mein gelebtes Leben, insgesamt 40 Jahre. Das gehört zu mir und so soll es bleiben. Daran ändern Trennungen für mich nichts.
Ich habe von Anfang an die schönen Erlebnisse im Herzen und im Gedächtnis behalten und alles andere durfte nach und nach gehen.
Ich wünsche Ihnen viel Glück und eine gute Entscheidung.
Herzlich Marion Schilcher

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Antwort von: Angelika Fuchs-Bartsch

Liebe Frau Grotsch,

Danke für Ihre freundliche Antwort und auch für die nette, hilfreiche Antwort von Frau Schilcher.Es ist sicher sinnvoll meine Trauer noch weiter aufzuarbeiten. Ich bin derzeit dabei, dies mit einer Psychologin zu tun, denn die Trauer ist immer noch sehr präsent, trotz der 10 Jahre die inzwischen vergangen sind. Vielleich schaffe ich es dann ja auch im Laufe des Jahres die Alben in meine Whg zu holen, die schönen Zeiten mit Liebe anzuschauen und das Ende auszuklammern. Alles ist Teil meines zum großen Teil schon gelebten Daseins (bin inzwischen 71 Jahre alt) und gehört zu mir trotz Trennung, da stimme ich Frau Schilcher vollkommen zu. VIelen Dank Ihnen Beiden.

 

Kommentar von Petra-Ilona Imming |

Hallo Frau Grotsch,
das Ausmisten und Entrümpeln begleitet mich bereits viele Jahre.Für meinen persönlichen Bereich klappt das recht gut,mein Mann hat allerdings die Angewohnheit"gewonnene Freiflächen" Stück für Stück zu anektieren;)Das gilt insbesondere für Bücher /Zeitschriften etc. -da übe ich noch an Methodik den entgegen zu wirken;)
Ansonsten habe ich die Ausräumparty als Vehikel für das Trennen von Dingen/Kleidung als hilfreich erlebt.Nette Musik,an -oder ausprobieren-der oder der freut sich drüber und am Ende gemeinsam Essen gehn oder mit Freunden treffen- funktioniert meistens.Übrigens auch bei meiner Freundin,die sich mit Trennen von Dingen arg schwer tut.
Das Ganze vom Datum begleiten zu lassen empfinde ich als spannende,zugleich auch echt sportliche Variante,die ich für mich tatsächlich ausprobieren werde.
Eine gute Zeit für Sie.
Ilona Imming

Antwort von Sylvia Grotsch

Liebe Frau Imming,

oh ja, das ist nicht leicht, wenn jemand anderes leeres Terrain wieder zuwachsen lässt. Irgendwie scheint ein Vakuum sich immer wieder füllen zu wollen :-).

Das mit den Parties ist auch eine gute Idee, das Wissen, dass jemand sich an etwas freut, das wir nicht mehr wollen, erleichtert uns doch sehr, uns zu trennen.

Herzliche Grüße

Sylvia Grotsch

Kommentar von Heidrun Adriana Bomke |

Instabilität, Geborgenheit und "Wohlwagen"

Liebe Frau Grotsch,
vielen Dank für Ihre Impulse, die mich noch einmal zum Schreiben inspirieren.
Ja, die Unsicherheit und Instabilität meiner Großeltern- und Elterngeneration - ich gehöre ja zur Kriegsenkelgeneration (Sabine Bode) - hat weitreichende Folgen. Ich habe in meinem eigenen Leben und auch aus meiner biografischen Arbeit erfahren, dass mit dieser großen Instabiität (auch viel Scham) gleichzeitig die Sucht nach Anerkennung einhergeht. Und dass dieses Verlangen dann projiziert wird auf die Kinder, "die was werden sollen". Leistung, Leistung, Leistung. Etwas darstellen. Etwas Vorzeigbares sein. Und dazu gehörte eine ansehnliche Profession, ein Haus, ein Mann etc. Viele kennen das sicher, wenn auch auf verschiedene Weise. Sich aus diesen Erwartungen zu lösen - dieses Loslassen - das ist für mich der Weg in die eigene Geborgenheit: Mein eigenes Leben auf meine kreative Weise zu gesalten und zu verantworten. Nein, das war und ist nicht immer leicht, führt mich aber zu mehr innerer und äußerer Leichtigkeit!
Es geht, dieses mentale und bewusste Loslassen. es braucht schon Mut und wachsendes Selbstvertrauen. Ich erlebe auch dieses Offene nach dem Loslassen. Ich nenne es das "ich-weiß-es-noch nicht". Ich habe dabei immer wieder erlebt, dass das Leben einem auch hilft, sobald ich einen Schritt weitergehe! Ja, da gehen Türen auf. Sie haben mir einmal gesagt, vor vielen Jahren: "Glauben Sie mir, es kann immer besser werden, wenn Sie in die Wandlung gehen." Und damit war für mich nicht nur mein neues Unterwegssein in Italien und Sizilien gemeint, sondern auch das innere Weitergehen und eben dieses Loslassen von alten tiefen Mustern!
Und nun habe ich weder Haus noch Mann - ich bin sogar "auf den Hund gekommen" - und bin als freie Künstlerin für meine Eltern etwas völlig Unbegreifbares, Verrücktes, Fremdes.
Was soll's? Es ist so. Auch wenn ich mir manchmal diese bedingungslose Liebe gewünscht habe. Mit dieser Generation ist wohl nicht alles zu heilen. Da will es Respekt vor dem anderen und die eigene Kraft zu sich selbst und Achtsamkeit mit den eigenen Nachkommen etc.
Auch das Loslassen von Partnern - im anderen Halt suchen - gehört da hinein. Es ist schön zunehmend zu spüren, in mir selbst zu Hause zu sein.
Und der "Wohlwagen" - danke für den Tipp, schon das Wort klingt so gemütlich - könnte zukünftig ein Dach über den Kopf werden. Manchmal sage ich auch zu meinen Schreibenden: Der Himmel ist immer da und uns ein Dach. Schaut öfter mal hoch.

Liebe Frau Grotsch,
damit wünsche ich Ihnen viele blaue August-Himmel !
Herzlich
Heidrun Adriana Bomke

Kommentar von Tanja |

Liebe Frau Grotsch, vielen Dank für diesen inspirierenden Artikel - die Tiny Houses begegnen mir in letzter Zeit häufiger ... wenn das so weiter geht, muss ich sie mir doch mal noch genauer anschauen, könnte ja ein Zeichen sein ;-). Was mich jedoch noch mehr begeistert an ihrem Artikel ist, dass es viel leichter ist, auszumisten und loszulassen, wenn man ein grosses Ziel oder eine Idee vor Augen hat. Meine Idee zurzeit ist es, nur noch mit Lieblingsdingen zu leben - also Dinge, die ich sehr gerne nutze, die ich sehr gerne anschaue, die mich mit positiver Energie aufladen. Das motiviert mich sehr, mein Zuhause umzukrempeln. Nicht alles auf einmal aber schön Schritt für Schritt ... Und beim Reisen setze ich die Minimalismus-Idee inzwischen konsequent um - ich nehme nur noch Klamotten mit, die gut kombinierbar sind und davon so wenige wie möglich. Herzliche Grüsse aus Zürich, Tanja

Antwort von Sylvia Grotsch

Hallo Frau Hug,

schön, Sie hier zu "sehen" :-).

Ja, das mit dem Ziel ist wirklich gut - übrigens ist das wohl auch der Grund, warum den meisten das Entrümpeln (oder Loslassen) bei einem anstehenden Umzug viel viel leichter fällt, als sonst. So als hätten Sie diesmal einen wirklichen Grund oder eine Erlaubnis, sich von ungeliebten und/oder nutzlosen Dingen zu trennen.

Das mit den Lieblingsdingen - wie sie schreiben - ist natürlich gut, wenn es zum Beispiel um Kleidung und Geschirr geht. Ich kann jetzt aber nicht unbedingt sagen, dass mein Staubsauger oder mein Drucker mein Herz höher schlagen lassen :-), ich brauch die Teile einfach :-). Aber ich glaube, ich verstehe, was Sie meinen ...

Herzliche Grüße nach Zürich und alles Gute und Liebe für Sie,

Sylvia Grotsch

 

Kommentar von Sylvia Bortz |

Hallo Sylvia,

das Thema schlug wie der Blitz bei mir ein:
Seit einiger Zeit mache ich mir im Rahmen meines "Erdungsprozesses" Gedanken, wie ich weiterleben möchte. Im Moment wohne ich noch in einer 70 m² großen Wohnung, demnächst steht Rente an, die zu knapp ist, um Miete zu bezahlen und zu leben- und der Wunsch, wieder hinaus irgendwo aufs Land, ist auch sehr groß. Was also ist machbar? Da kam die Idee nach einem Gartenhaus auf- eine vielleicht noch einfachere Form des Tinyhouses...und da bin ich dran.
Ja, die Gesetzgebung hierzulande ist nicht sehr freundlich zu Individualisten, die nicht in den (Bau-)rahmen passen. Trotzdem suche ich weiter nach bezahlbaren Möglichkeiten.

Auch bei mir stellt sich bei allem, was ich in die Hand nehme, die Frage "würdest du es in dein Minihaus mitnehmen? Von 70 m² auf ca. 50 m² ist schon ein ganzes Stück Ballast weniger. Und die Frage "was BRAUCHE" ich wirklich? ist genial, weil sie mich immer leichter macht.

Jedenfalls habe ich mich sehr darüber gefreut, Deine Anregungen und Gedanken zu lesen- ja, und auch ich bin gespannt wie es sich weiterentwickelt.

Ressourcen schonen und dabei in die Leichtigkeit des Seins kommen? Perfekt!

Liebe Grüße und ein fröhliches Weiter-Loslassen von Gegenständen, Glaubenssätzen, Mustern und Meinungen
wünscht Dir
Sylvia

Antwort von Sylvia Grotsch

Liebe Sylvia

von 70qm auf 50qm ist schon mal ein mutiger Schritt. Aber streng genommen absolut machbar.

Ich halte dir die Daumen, dass dein Häuschen eines Tages auf dich zukommt.

Liebe Grüße und fröhliches Trennen :-)

Sylvia

Kommentar von Barbara Sibylle |

Liebe Sylvia Grotsch

Erst einmal danke für ihre tolle Arbeit - ich liebe ihre Newsletter ! Und auch ich mag verrückte Sachen.
Ich kam während einer persönlich grossen Krisenzeit so richtig auf den Geschmack, mit jeder Entsorgungs-Runde wurde klarer, was mir wichtig und wertvoll ist und es geht noch weiter, obwohl es jetzt schon fest reduziert ist im Vergleich zu vor drei, vier Jahren. Ich gab / gebe mir auch Zeit, denn das entrümpeln löst viele Prozesse - auch innere - aus. Die Dinge innen und aussen werden neu sortiert. Ich wohne jetzt in einer schhnukligen knapp 30qm-grossen Wohnung, dafür in einem tollen Quartier. Vor ein paar Wochen hab ich mich von Kinderzeichnungen getrennt und das obgleich des grossen Mahnfingers seitens der Mama, die nicht zu entsorgen. ich weiss von aussen tönt es vielleicht etwas lächerlich, für mich war es ein grosser Schritt. Und ich behalte mir immer vor, wenn ich zb zwanzig Zeichnungen wegwerfe, 1-2 Lieblingsstücke zu behalten und die werden dann auch geschätzt, bis auch die nicht mehr gebraucht werden.
Herzlichst

Barbara Sibylle

Antwort von Sylvia Grotsch

Liebe Barbara Sibylle,

ganz herzlichen Glückwunsch zur 30qm-Wohnung und zu dem damit verbundenen Prozess. Neulich habe ich auf Youtube ein Video gesehen von einer Frau - se begann mit: "ich gehe jetzt ins fünfte Jahr ...", ein paar Tage später des Video von einem jungen Mann: "Ich gehe jetzt ins sechste Jahr meiner Entrümpelung".

Ja, das Ganze ist ein "Prozess". Ich wundere mich oft über mich selber, wieso denn D.A.S das letzte mal noch bleiben durfte :-). Die Seele hat wohl Ihre eigenen Trennungszeiten ...

Auch Kinderzeichnungen sind äußere Gegenstände, genauso wie Foots. Das eine oder andere aufzubewahren - vielleicht einfach auch einzuscannen - ist sicher angebracht, aber was sollen wir mit der "Masse"? Als ob die Kindheit zurückkäme, wenn man hunderte Fotos oder x.Zeichnungen aufbewahrt.

Die Kinder wohnen eh in unserem Herzen :-).

Herzliche Grüße

Sylvia Grotsch

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